Ein letzter Dezember, so blau und rechtschaffen weiß wie eine Schneewittchenkulisse. Und die ganze Chaussee runter Birken gepflanzt. Dauernd erinnern einen die frostglitzernden Zweige an den Glasfirlefanz, der an Großmutters Eßzimmertischdecke hing.

Schwer zu begreifen, daß heute ein Sterbetag ist. Wenn man das alte Jahr Silvester noch derart strahlend erblickt, ist man geneigt, die Kalendermacher für Mörder zu halten.

Eine Elster zuckt auf stählernen Flügelblitzen über den Schnee und macht mit ihrem monotonen Schwarzweiß für Preußen Reklame. Natürlich, sie hat daran Anstoß genommen, daß ich nach Alkohol roch, Ihr empörtes Gegacker fiel so unvermutet über mich her, daß mir gleich wieder die Hände zur Hosennaht zuckten. Schlimm, wie das noch in einem drinsitzt. Noch? Noch ist gut.

Und wenn man da erst an das Feuerwerk denkt, heute nacht! Ein Glück nur, daß ich weggefahren bin; zu Hause käme ich ab zwölf aus der vollen Deckung überhaupt nicht mehr raus.

Jetzt fängt der Hochwald an, und ich laufe doch hier tatsächlich einen Holzweg entlang. Er ist mit Pferdespuren und den silbern schimmernden Abdrücken von Schlittenkufen gemustert; genauso wie vierundvierzig die Rückzugstraßen in Rußland. Trübe Aussichten, wenn man bedenkt, daß ich auf diesem Weg dem neuen Jahr entgegenspaziere.

Und überall Hasenfußhieroglyphen zwischen den Stämmen. Mit was für einer Unverfrorenheit die so einen Bogen strahlenden Schneepapiers vollkritzeln! Als wäre das Wort „Unschuld“ nie in die Hasensprache übersetzt worden.

Muß ich an Frieda denken bei Unschuld. Frieda war doch ernsthaft der Meinung, nähme man es sich Silvester nur fest genug vor, ließe sich jährlich ein Stück dieser Unschuld wiedergewinnen. Und dann mich mit diesem Installateur hintergehen! Paßt das?