hst., Köln

ittwoch: Die Uhr am Bahnhof Köln-Mülheim zeigte 13.13 Uhr, In der Bahnsteigsperre saß ein junger Mann in der Uniform der Bundesbahnbeamten und las in einem Fünfzig-Pfennig-Heft. Der Roman hieß „Ihr letztes Opfer“. Ab und zu legte der Mann das Heft weg. Dann kamen Leute und wollten durch die Sperre. Er knipste die Fahrkarten. Es waren nicht viele. Die meisten Leute zeigten Sichtkarten vor. Wenn der Zug oben aus dem Bahnhof dampfte, las der junge Mann weiter – bis der nächste Zug einfuhr.

Laut Winterfahrplan sind es sieben Züge, die auf dem Köln-Mülheimer Bahnhof zwischen 13 und 14 Uhr halten. An jenem Mittwochmittag passierten 140 Leute in dieser Zeit die Sperre. Genau zwanzig hatten eine Knipskarte, die übrigen zeigten ihre Sichtkarten vor.

Um 13.42 Uhr hob der Bahnhofsvorsteher die Kelle für den Saarbrückener Zug. Dann nahm er seine Butterbrote und ging auch durch die Sperre. Bis 14.15 Uhr hielt kein Zug mehr auf dem Bahnhof. Der junge Mann in der Bahnhofsperre las „Ihr letztes Opfer“. Er hatte jetzt viel Zeit.

Pressekonferenz bei der Bundesbahndirektion Essen: Ausbau der Gleisbildstellwerke zwischen Duisburg und Dortmund... statt 27 Stellwerken nur noch zehn ... Elektrifizierung einer zweiten Rhein-Ruhr-Strecke ... Soll man die Gepäckaufnahmestellen durch Schließfächer ersetzen? Rationalisierung Rationalisierung...

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Donnerstag: Auf dem Bahnhof Köln-Ehrenfeld las der Mann in der Bahnsteigsperre Zeitung. Zwischen 10.20 Uhr und 11.20 Uhr hielten fünf Züge. 42 Reisende stiegen aus. 13 gaben ihre Knipskarte ab, 29 zeigten eine Sichtkarte vor. Neun Leute gingen zum Zug, vier mit Sichtkarte, fünf mit Knipskarte. In einer Stunde knipste der Mann in der Bahnsteigsperre-fünf Karten. Wenn er nicht knipste, las er, Rationalisierung ...