Dd, Koblenz

Am Vorabend des 24. Dezember endete vor dem Koblenzer Landgericht der rheinlandpfälzische Lottobetrugsprozeß. Die Koblenzer Richter bewiesen – wie schon in der Serie von Strafverfahren um das Beschaffungsamt der Bundeswehr – erneut die ihnen nachgerühmte Strenge: Insgesamt 21 Jahre und elf Monate Gefängnis gab es für vierzehn Angeklagte. Dabei kamen die beiden Hauptangeklagten Susanne Fredericq und Manfred Equit mit je drei Jahren und drei Monaten noch etwas besser davon als Equits Onkel Jakob Rühle, der dreieinhalb Jahre Gefängnis bekam, weil er sich noch wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu verantworten hatte.

„Wollen Sie die Angeklagten entgelten lassen, daß wir einem seelenlosen Amerikanismus verfallen?“ beschwor einer der Verteidiger das Gericht. Erster Staatsanwalt Augustin meinte: Ja. Der „Tanz um das goldene Kalb“ und die weit verbreitete Auffassung, daß man dem Staat – hier war es nicht einmal der Staat, sondern die anonyme Masse von Wettern – getrost etwas wegnehmen könne, sei Grund genug für harte Strafen.

Und es sei doch – so plädierte der Erste Staatsanwalt weiter – besonders verwerflich, daß die lebenshungrige Susanne und ihr Freund Equit über so lange Zeit Tipzettel gefälscht hätten, obwohl sie „der ständige Anblick der Karthause“, des Koblenzer Gefängnisses, hätte erschrecken müssen ... Vom Lotto-Haus nämlich sieht man die Karthause.

Der ständige Anblick der Karthause hat die Verurteilten nicht von ihren Betrügereien abhalten können. Nicht die Strafdrohung wirkt eben abschreckend, sondern der polizeiliche Aufklärungserfolg. Dieser – und die nun verschärfte Dienstaufsicht beim Lotto – aber werden jetzt wohl bewirken, daß niemals wieder zweieinhalb Millionen Mark aus dem Lottotopf verschwinden – auch dann nicht, wenn das Verwaltungsgebäude in eine Straße verlegt werden sollte, von der aus die Karthause nicht mehr zu sehen ist.