Die Abschlüsse der Brauerei-Aktiengesellschaften für 1957/58, die in den nächsten Wochen veröffentlicht werden, stoßen kaum auf die Spannung, die den Vorjahrsabschlüssen entgegengebracht wurde. Der äußere Ablauf des Brauwirtschaftsjahres 1957/58 war wesentlich ruhiger, und insbesondere fehlten Rekordzahlen während der Hauptmonate. Die Erhöhung des Bierabsatzes lag mit 8,2 v. H. erheblich unter derjenigen des Vorjahres (14,6 v. H.). Die Absatzschwankungen zwischen den einzelnen Monaten waren mit 4,16 bis 4,73 Mill. hl erheblich geringer als im Vorjahre mit 3,47 bis 4,69 Mill. hl. Betriebswirtschaftlich hat diese größere Gleichmäßigkeit natürlich Vorteile gebracht, und unter diesem Gesichtspunkte ist man geneigt, allgemein bessere Ergebnisse zu erwarten. Allerdings darf nicht einfach nach den Ausstoßzahlen gerechnet werden; die stärkere Einschaltung des Großhandels in den Bierabsatz führt zu einer Senkung des Durchschnittserlöses bei den Brauereien, der andererseits auch gewisse Kostenentlastungen durch Übernahme von Funktionen durch den Biergroßhandel gegenüberstehen. Bereits im Kalenderjahr 1957 war der Absatz über den Großhandel um 18 (10) v. H. gestiegen, und diese Tendenz dürfte sich in der Folgezeit dergestalt fortgesetzt haben, daß die Absatzzahlen des Großhandels stärker gestiegen sind als die Bierproduktion.

Das Ergebnis des Jahres 1957/58 dürfte mehr als in den Vorjahren durch die Kostenentwicklung bestimmt worden sein. Zunächst hatte dieses Jahr erstmals die Auswirkungen der letzten Tariferhöhung und der Einführung der 45-Stunden-Woche in vollem Umfange zu tragen. Hinzu kam die Erhöhung der gesetzlichen Sozialaufwendungen. Belastend waren die sprunghaften Steigerungen des Hopfenpreises in der Saison 1957, der von 600 DM je Zentner auf zeitweise 1200 DM angezogen hatte. Wenngleich sich der Spitzenpreis nicht halten konnte, so lagen die Durchschnittspreise für Hopfen doch erheblich über dem des Vorjahres. In gewissen Grenzen konnte man durch verminderte Hopfengabe eine Entlastung erzielen, aber insgesamt hat sich der Aufwand kräftig erhöht. Die bereits während der letzten Jahre steigende Tendenz der Kosten hat sich also weiter verschärft. Wieweit im Einzelfalle durch Rationalisierungsmaßnahmen die Entwicklung aufgefangen bzw. durch Umsatzerhöhungen ausgeglichen werden konnte, dürfte sehr unterschiedlich sein.

Der Kostendruck war auch die Veranlassung dafür, daß in Bayern Mitte April 1958 die Bierpreisbindung aufgehoben und die Preise etwas angehoben worden sind. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Bayern mit Abstand die niedrigsten Bierpreise und auch den geringsten Schanknutzen hatte. Die Preiserhöhung hat offensichtlich den Bierabsatz nicht wesentlich beeinflussen können. Der Abstand Bayerns in der Verbrauchszunahme (+ 7,0 v. H.) zum Bundesdurchschnitt ( + 8,2 v.H.) ist erheblich geringer geworden. Der ständig wachsende Teil der nicht in Bayern Gebürtigen ist nicht mehr so empfindlich gegenüber dem Bierpreis wie die Altbayern. Außerdem wird der Bierabsatz stärker durch den Fremdenverkehr mitbestimmt, und auch hier spielen die Bierpreise keine so entscheidende Rolle, zumal die Bevölkerung der Fremdenverkehrsgebiete sich dank der gehobenen eigenen Einnahmen in der Lage war, den höheren Bierpreis zu bezahlen. Die Abschlüsse der Aktienbrauereien in Bayern werden unter diesen Gesichtspunkten besonders interessant sein. Dies gilt nicht zuletzt auch hinsichtlich der Frage, ob die in Bayern bisher zurückgebliebenen Dividendensätze weiter angehoben werden.

Die Einflüsse auf die Dividenden sind sehr mannigfaltig. Es mag möglich sein, daß in einzelnen Fällen durch den Kostendruck bei weniger günstiger Absatzentwicklung die Frage einer Dividendensenkung erörtert wird. Für die Masse der Aktienbrauereien dürfte dies jedoch nicht zutreffen, denn die Rentabilität ist im allgemeinen weiter recht günstig. Dies gilt um so mehr, als auch das Geschäft in alkoholfreien Getränken und nicht zuletzt auch die Einnahmen aus den Gaststättenbetrieben durchweg zufriedenstellend sind. Der Ausbau des eigenen Gaststättennetzes hat sich als eine durchaus rentable Investition erwiesen, die nicht nur den Absatz sichert, sondern auch zur Kapitalverzinsung beiträgt. Das unverkennbare Interesse der Brauereien an einem Ausbau des Gaststättennetzes kommt in den zahlreichen Neuplanungen zum Ausdruck. Dabei handelt es sich durchweg um Großgaststätten, die eine breite Kapitalgrundlage erfordern. Nur große Gaststätten bieten ausreichende Ertragsaussichten, während die kleineren Gaststätten in der Hand selbständiger Gastwirte und ihrer Familienmitglieder besser gedeihen als in den mit hohen Personalkosten belasteten Verwaltungsapparaten der Brauereien. Der hierdurch bedingte Kapitalbedarf mag auf den zu beschließenden Dividendensatz einwirken. Daneben dürften aber auch zahlreiche Brauereien in ihren Investitionen so weit fortgeschritten sein, daß sie den Aktionären vom Standpunkt der eigenen Liquidität aus leicht einen höheren Satz zubilligen können.

Die große Reserve für die Dividendenerhöhungen liegt in der Neuordnung der Körperschaftsteuer, die am 1. Januar 1958 in Kraft getreten ist. Wieweit allerdings diese Steuerbegünstigungen auch zur Beseitigung der optischen Hemmungen für eine Erhöhung der Dividendensätze über 12 v. H. hinaus ausreichen, ist noch schwer zu übersehen. Die Abschlüsse für 1957 haben den unausgesprochenen Stopp von 12 v. H. – in Bayern und einigen anderen Ländern lag der Stopp sogar noch bis zu 3 v. H. niedriger – erkennen lassen. G. P.