Reich und glücklich, Millionär und trotzdem liebenswert sein: gibt es so etwas wirklich? Cameron Hawley, berühmter Verfasser von „Sie fragten ihre Frauen“, liefert den Beweis für diese Behauptung in seinem neuen „Roman aus der Finanzwelt“:

Cameron Hawley: „Cash McCall“, übersetzt von Ursula Michaelsen; Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg; 560 S., 19,80 DM.

„Held“ ist zu wenig, „Superman“ zu reißerisch, nun, die Titelfigur des Romans ist jedenfalls ein... Mann in mittleren Jahren mit einer merkwürdigen Profession: Er kauft lädierte Firmen, macht sie fit und verkauft sie wieder. Dabei verdient er jedesmal mindestens eine halbe Million Dollar, gewöhnlich mehr. Für einen mächtigen Posten als Generaldirektor hat er kein Sitzfleisch. Ihn zieht es mehr ins Dunkel geheimer Transaktionen. Dabei ist er ein Ehrenmann, dieser Cash McCall, wenn auch ohne „Firmengeist“, doch mit der lobenswerten Fähigkeit, zwischen moralischem und juristischem Recht zu unterscheiden.

Dieser Gentleman mit den „tiefblauen Augen“, an dessen Lauterkeit der Leser nie zweifelt, wird so geschickt in die von heftigen Intrigen erfüllte Arena geführt, daß seine Gestalt fast absolut glaubwürdig erscheint. Die Personen, die ihn umgeben, sind: an erster Stelle die Tochter eines Industriellen durchschnittlichen Formats, dann deren Eltern, McCalls Sekretär, die Finanziers, die krankhaft-ehrgeizige Assistentin eines Hotelgeschäftsführers. Sie alle werden so verbüffend gezeichnet, daß sie auf reale Vorbilder, schließen lassen.

Das Milieu stimmt bis in die Nuance, die Erotik kommt subtil zum Ausdruck, ohne exhibitionistische Mätzchen, so daß das Buch alles in einem ist: psychologische Studie, finanztechnischer Rapport und Spiegel einer gewissen Gesellschaft, in der man Geldverdienen für etwas hält, das ein Gentleman nicht tut.

Der Stil; in dem das Leben Cash McCalls, dieses modernen Märchenprinzen mit Großflugzeug und eigenem Felstal, geschildert wird, ist angenehm trocken, und Spannung wird ohne billige Effekte erzeugt. Cameron Hawley schrieb einen blendenden Unterhaltungsroman – manchmal sogar mehr als das. G. Sp.