Die Handelskammer Hamburg verzichtet in ihrem Jahresbericht 1958 weitgehend auf eine detaillierte Darstellung des traditionellen Themenkreises der innerdeutschen Entwicklung, um in dem rund 250 Druckseiten umfassenden Bericht Raum für Darlegungen über jene Länder zu gewinnen, die (wie es an einer Stelle des Textes heißt) gewohnheitsgemäß „unter dem weniger prägnanten als euphemistischen Begriff ‚Entwicklungsländer‘ zusammengefaßt werden“. Hierbei hält der Bericht den begrifflichen Rahmen denkbar weit, indem er alle Länder einbezieht, deren Bestreben es ist, „den Lebensstandard der hochindustrialisierten Gebiete so schnell wie möglich mit technischen Mitteln zu erreichen“. Von der Produktion her gesehen, ist diese Gruppe von Ländern weitgehend identisch mit den Rohstofflieferern; unter handelspolitischem Aspekt charakterisiert sie sich als die Gesamtheit der „in ihrem Außenhandelsverkehr durch behördliche Reglementierung erheblich beschränkten Gebiete“, auf die etwa ein Viertel der deutschen Ausfuhr entfällt, während sie ein Fünftel unserer Importe liefern.

Der Bericht zeichnet die typischen Züge der Entwicklungsländer, von denen es heißt, daß sie an die mit ihnen Außenhandel treibenden Partner in aller Regel mit recht beträchtlichen Wünschen und Forderungen herantreten. Von diesen Partnern wird nämlich erwartet, daß sie

Investitionsgüter – angefangen von einzelnen Maschinen bis hin zu Großanlagen – liefern, und dabei Kredite von fünf bis zehn Jahren gewähren,

sich an der Errichtung von Fabriken (auch speziell in der Form der „gemischten Partnerschaft“) beteiligen und die Erfahrungen ihrer Wissenschaftler und Techniker verfügbar machen,

die (im Export tätigen) Privatunternehmer des eigenen Landes durch staatliche Garantien absichern,

die Erzeugnisse des Entwicklungslandes – Rohstoffe sowie Fabrikate – zur Bezahlung annehmen und deren Absatz im eigenen Wirtschaftsraum fördern, sich dabei aber mit der fortschreitenden Unterbindung des eigenen Konsumgüterexports in die Entwicklungsländer abfinden, und daß sie schließlich

mit Finanzhilfen einspringen, wenn akute Devisennöte auftreten.