Jetzt, da Gamal Abdel Nasser in Ägypten wie zuvor schon in Syrien führende Kommunisten einsperren läßt, gibt es im Westen gar manche, die unverhohlen triumphieren: nun habe der Staatspräsident der Vereinigten Arabischen Republik „endlich“ Vernunft angenommen.

Die so argumentieren, übersehen freilich eines: daß nämlich nicht Nasser seine Linie geändert hat, sondern die Kommunisten. Lange Zeit hatten sie auf die arabischen Nationalisten in Kairo gebaut und sich deren Interessen angepaßt – so lange jedenfalls, als sie glaubten, damit eine Schwächung der westlichen Position in Mittelost erreichen zu können. Dann aber, im Spätsommer letzten Jahres, wechselten sie abrupt ihren Kurs. Seit der Rückkehr des syrischen Kommunistenführers Chalid Bagdasch aus seinem Ostblock-Exil im Oktober ist das von Tag zu Tag deutlicher geworden.

Als Bagdasch nicht nachließ, für eine Lockerung der syrisch-ägyptischen Union Stimmung zumachen, wurde ihm das Handwerk gelegt: Die Verhaftung von 400 syrischen Kommunisten in Damaskus und 200 KP-Führern in Kairo war die Quittung für seine Umtriebe. Außerdem ließ Nasser zwei erst im vergangenen Jahr gegründete Verlagshäuser wieder schließen, die sich der Verbreitung sowjetischer und chinesischer Propagandaschriften in arabischer Sprache angenommen hatten. Bagdasch selbst hat sich einigen Berichten zufolge inzwischen erneut aus dem Staube gemacht.

„Wir werden jeden zerschmettern, der sich dem arabischen Nationalismus widersetzt“, hat Nasser unlängst in Port Said verkündet – und der Nachdruck lag dabei auf dem Wörtchen „jeden“. Auch die Kommunisten, deren Wühlarbeit in Damaskus und Bagdad ihm augenscheinlich große Sorgen bereitet und deren Gesellschaftsordnung („Alle werden zu Maschinen“, so erklärte er Vertretern der syrischen Wirtschaft) Nasser keineswegs zu kopieren gedenkt.

Washington und London haben Gamal Abdel Nassers Vorgehen gegen die arabischen Gefolgsleute des Ostens bereits honoriert: mit der Wiederaufnahme amerikanischer Weizenlieferungen und den unauffällig forcierten Bemühungen des Foreign Office um einen ägyptisch-syrischen Ausgleich. Die außenpolitischen Beziehungen zum Ostblock hat Kairo freilich keineswegs abgebrochen: gleichzeitig mit den Verhaftungsbefehlen unterzeichneten Beauftragte Nassers das Assuan-Abkommen mit der Sowjetunion und eine weitere Vereinbarung, in der sich die Sowjets zum Bau von fünf Flugplätzen verpflichten.

So hat Nasser denn nicht die Absicht, den Draht zum Kreml abreißen zu lassen. Er hält an seinem Rückversicherungsvertrag mit Moskau fest, auch wenn dort inzwischen Unmut über die Kommunistenverfolgungen herrscht. Von den Westmächten wird es wohl abhängen, ob er, auf dem neutralen Grat zwischen Ost und West balancierend, Veranlassung haben wird, sich dieser Rückversicherung erneut zu bedienen, Th. S.