Wird das Reisen in Frankreich, teurer für Ausländer?

A. M., Paris, im Januar

Welche Folgen werden die französischen Währungsmaßnahmen für den Tourismus haben? Das Reisen in Frankreich ist ja in den letzten Jahren allmählich zu einem recht teuren Spaß geworden, und das Gastgewerbe hatte es nur den besonderen und von anderen Ländern nicht so leicht auszustechenden Attraktionen an der Seine, auf dem Mont St. Michel und an der Côte d’Azur zu verdanken, wenn es bisher nicht zu einem katastrophalen Rückgang des Fremdenverkehrs gekommen ist.

Die neuen Währungsoperationen Pinays schlossen eine erhebliche Drosselung des Subventionsstromes ein, der bisher auch für den Tourismus floß. Zunächst einmal wurde die im April 1958 eingeführte zehnprozentige Preisermäßigung für ausländische Touristen in den Hotels, den Reiseagenturen und Wagenvermietungsstellen abgeschafft. Die ebenfalls zehnprozentige Ermäßigung bei Touristeneinkäufen in den Läden hingegen wird aufrechterhalten. Voraussetzung ist jedoch die Zahlung in Reiseschecks (oder Schecks) vierzehn verschiedener Währungen (darunter DM, Schilling, Schweizer Franken, Pfund, Dollar) oder solchen, die von französischen Banken ausgestellt sind. Und die Erleichterung gilt nur für Artikel, die der Tourist in seinem Gepäck mitnehmen kann; außerdem sind Artikel für den sofortigen Verbrauch ausgeschlossen. Die Läden, in denen solche Ankäufe möglich sind, werden besonders gekennzeichnet.

Die bereits im Juli 1957, während der Benzinhausse, eingeführten Benzin-Gutscheine für Touristen werden weiterhin beibehalten, ihr Preis jedoch von 670 auf 790 Franc erhöht. Diese Preiserhöhung wird allerdings bei Kauf der Gutscheine im Ausland wettgemacht durch die Umstellung des Franc. Und ebenso wird der Ausfall der zehnprozentigen Ermäßigung in den Hotels (für die ja der offizielle Franc-Kurs Voraussetzung war) mehr als ausgeglichen durch die 17,5 5prozentige Abwertung des französischen Geldes. Also gar nicht so ungünstige Aussichten; wenn das Reisen in Frankreich auch nicht gerade billiger werden dürfte, so sollte es nach diesen Anordnungen doch auch nicht teurer werden. Man ließ jedoch selbst in den offiziellen Ämtern für Tourismus durchblicken, daß vorerst eine sichere Prognose für die Entwicklung noch nicht gestellt werden kann.

Bei den Gewerben, die ganz oder teilweise vom Tourismus leben, kommt es nun darauf an, ob sie sich verlocken lassen, das auf jede Abwertung folgende Steigen der Preise kurzsichtigerweise in so schnellem Tempo und in solchem Ausmaß mitzumachen, daß die Ergebnisse der Abwertung in Kürze illusorisch geworden sein könnten. Eine solche Entwicklung ist nicht ausgeschlossen; überall werden die Lasten gern auf den Konsumenten abgewälzt...

Bisher hat sich das französische Gastgewerbe auf jeden Fall zu sehr auf die Anziehungskraft seines Landes verlassen. Dabei sind die Hotels in Frankreich nicht nur zu ungleich über die Provinz verteilt, sondern in ihrer Mehrheit auch überaltert. Der Abstand zwischen dem Komfort, den man sich für den gleichen Preis einerseits in Frankreich und andererseits etwa in der Schweiz, Österreich oder auch Italien kaufen kann, wird von Jahr zu Jahr größer. Und umfänglichere Investitionen im Hotelbau dürften zur Zeit kaum möglich sein.