Ein Artikel, der am Montag im Osservatore Romano erschien, bestätigt die überraschende Mitteilung, daß der Vatikan die diplomatischen Vertreter der Exilregierungen von Polen und Litauen in Zukunft nicht mehr als akkreditierte Diplomaten anerkennen werde. Der Zeitpunkt für diesen Entschluß ist, wie bereits zuvor mitgeteilt wurde, dem Wechsel auf dem Heiligen Stuhl zuzuschreiben. Sämtliche beim Vatikan akkreditierten Diplomaten müssen nämlich dem neuen Papst neue Beglaubigungsschreiben einreichen.

Der Osservatore Romano schreibt: „Jetzt zeigt sich, daß infolge der allgemein bekannten Situation die polnischen und litauischen Vertreter nicht in der Lage sind, Dokumente vorzuweisen, denen diplomatischer Charakter und Wert im Sinne des internationalen Rechtes zuerkannt werden könnten.“

Nun steht aber fest, daß Botschafter Papée, der übrigens der Doyen des Diplomatischen Corps beim Heiligen Stuhl ist, sehr wohl über ein neues Beglaubigungsschreiben der polnischen Exilregierung verfügt – aber es ist eben nur eine Exilregierung, die, so zitiert die Agentur Italia „Katholische Kreise“: „nicht mehr imstande ist, eine in den letzten Jahren entstandene politische und soziale Wirklichkeit zu verändern.“

Da kann man nur sagen, die Kirche denkt „realpolitischer“ als manche weltliche Regierung. Diese Haltung der polnischen Exilregierung gegenüber mag zwar im Hinblick auf Kardinal Wyczynski noch verständlich sein, gegenüber den Litauern aber erscheint sie ganz und gar unbegreiflich. Litauen, das genau wie die baltischen Staaten mit der Sowjetunion durch einen Beistandspakt verbunden war, wurde im Juli 1940 gezwungen, seine Selbständigkeit aufzugeben und sich in eine Sowjetrepublik zu verwandeln. So wie der tschechische Präsident Hacha seinerzeit von Hitler unter äußerstem Druck zur Preisgabe der staatlichen Selbständigkeit gezwungen wurde, genau so erging es dem litauischen Ministerpräsidenten damals in Moskau. Von einer litauischen Exilregierung kann man also mit Recht sagen, daß sie die einzige Vertretung des litauischen Volkes ist. –f