Revolutionsregierungen greifen leicht in die Eigentumsrechte der Ausländer ein. Es zeigt sich aber ziemlich regelmäßig, daß es sich nicht lohnt, solche Willkürakte aufrechtzuerhalten, weil sonst die Vorzüge einer weltweiten Verflechtung und damit die Möglichkeiten für eine Industrialisierung des Landes geschmälert werden. Das hat auch Argentinien erkannt. Als Percn gestürzt wurde, hielten es die neuen Machthaber für richtig, die Mercedes-Benz-Argentinia SA ihren Eigentümern zu entziehen. Sie gehörte zu 54 v. H. der Daimler-Benz AG, Untertürkheim, und mit dem Rest dem Argentinier Jorge Antonio. Als dieser sich mit Daimler-Benz zusammentat, war er Kaufmann. Später ließ er sich mehr und mehr in das politische Fahrwasser Pérons hineinziehen. Das nahmen ihm die neuen Machthaber übel. Daher die Beschlagnahme der Argentinia.

Mit der Einsetzung von „Interventoren“ kam die Produktion zum Stillstand. Man mußte einsehen, daß dieser Revolutionsakt zu nichts geführt hatte. Die 2000 Werksangehörigen konnte man nicht entlassen, aber auch nicht beschäftigen. So etwas vermag kein Unternehmen lange auszuhalten. Lastkraftwagen aber sind andererseits ein Mangelartikel in Argentinien; vor allem legt die Armee auf Mercedes-Lkw Wert. Sie konnte sie nicht mehr im Lande bauen lassen, sondern mußte sie einführen. Weiter sahen die nationalstolzen Argentinier mit Mißvergnügen, daß ihr Nachbarland Brasilien mit Daimler-Benz besser gefahren war und sich im südamerikanischen Raum einen Marktanteil sichern konnte, den man gern selbst besessen hätte. Als die Revolutionsregierungen schwanden und dem demokratischen System des Präsidenten Fondizi Platz machten, bemühten sich die Argentinier, das einmal geschehene Übel nach Möglichkeit zu beseitigen. Der derzeitige Interventor Colombo gilt als ein vernünftiger Mann. Über ihn kam es so zu positiv verlaufenen Gesprächen zwischen allen beteiligten deutschen und argentinischen Stellen; sie hatten zum Ziel, die Argentinia wieder flottzumachen.

Daimler-Benz macht dies von diesen Voraussetzungen abhängig:

1. Der Anteil von 54 v. H. an der Argentinin (der Eigentumsanspruch ist bereits von argenti nischen Gerichten anerkannt) ist wieder zur freier Verfügung zu stellen.

2. Es ist – was auch inzwischen geschehen ist – eine Generalversammlung einzuberufen, die ein rechtmäßiges Direktorium zu wählen hat Hierfür sind drei deutsche Herren von Daimler-Benz, eine dieser Firma befreundete argentinische Persönlichkeit (Präsident der deutsch-argentinischen Handelskammer) und ein weiterer Argentinier vorgesehen. Was aus dem Anteil des Jorge Antonio wird, ist noch nicht zu erkennen. Bei den politischen Verhältnissen ist eine abschließende Regelung für die nächste Zeit nicht zu erwarten.

3. Alle Interventionen rechtlichen und finanziellen Charakters gegenüber der Argentinia werden ausgeräumt.

4. Es müssen ausreichende Kontingente für die Einfuhr vor allem für Motoren und Maschinen (für den weiteren Ausbau der Fabrikation) bewilligt werden.