Von Heinz Stuckmann

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 48 Millionen Schallplatten produziert und auf den Markt geworfen. Rund 80 v. H. waren Schlagerplatten – das sind 36,8 Millionen Stück. Deutschlands größte Rundfunkanstalt, der Westdeutsche Rundfunk, strahlte in 12,8 v. H. seiner gesamten Hörfunksendezeit Schlagermusik aus. Aber immer noch ist der Bedarf an "Pop"-Musik, wie es im Fachjargon heißt, nicht befriedigt. Eine gewaltige Industrie ist bemüht, der Nachfrage im Konsumartikel Schlager gerecht zu werden. Sie ist nicht weniger bemüht, immer wieder neuen Bedarf zu wecken. Die leichte Unterhaltung ist eine Macht geworden. Wo Macht ist, gibt es Machtkämpfe, Kämpfe innerhalb der Branche, Konkurrenzkämpfe, Kampfe mit anderen Formen der Unterhaltung, Kämpfe "Schnulze contra Schnulze". Heinz Stuckmann versucht, die Probleme an einem typischen Fall aufzuzeigen.

Zu einer Diskussion "Das heiße Eisen: ‚Die Unterhaltung im Rundfunk" hatte im Dezember der Westdeutsche Rundfunk in den kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses achtzig Gäste eingeladen. Man hatte das reizende Chanson von Lore Lorentz über die Unterhaltung der deutschen Bundesbürger gehört: "Runter mit dem Niveau – in schmilzt jubilo ..." Die Illustrierten waren da ganz hübsch veralbert worden. Die Gäste brachen in spontanen Beifall aus. Dann nahm Diskussionsleiter Herrmann Mostar das Wort:

"Na – gibt’s vielleicht jemand, der hier glauben sollte: Was für das Niveau mancher Illustrierter gilt, das gilt auch für das Niveau mancher Unterhaltungssendungen? Ich will es doch nicht hoffen...

Na – ich habe Sie im Verdacht –" damit wandte er sich an die jungen Funkkritiker des "Kölner Stadtanzeigers" – "Sie machen so ein zweifelndes Gesicht. Wollen Sie mal heraufkommen und mir sagen, was Sie gegen manche Unterhaltungssendung haben? Sie sollen das ja auch schon öffentlich vertreten haben ..."

Auf das Podium, dort, wo die Mikrophone standen, stieg also der 22jährige Kritiker, der den Verantwortlichen des Kölner Funkhauses schon oftmals ins Gewissen geredet hatte, und sagte:

"Ja – ich überlege zunächst nur mal, ob der Westdeutsche Rundfunk diesen kleinen Song von Lore Lorentz nicht mal als Pausenzeichen einführen will..."