Preise "unter der Hand" seit Monaten gesenkt – Beschäftigungsgrad auf 70 v. H.

Von Ingrid Neumann

Wichtige Bereiche der Wirtschaft warten auf die konjunkturelle Frühjahrsbelebung. Vor allem in der Stahlindustrie haben die ersten – im allgemeinen aber noch trügerischen – Sonnenstrahlen den Gedanken an den Frühling und mit ihm die Hoffnungen auf das Frühlingserwachen am Stahlmarkt geweckt.

Allerdings sind die letzten Neuigkeiten, die in diesen Tagen aus der Stahlindustrie zu hören waren, noch keineswegs geeignet, dem optimistischen Grundton, der neuerdings wieder die offiziellen Kommentare der Beteiligten durchzieht, Farbe zu verleihen. Neue Produktionseinschränkungen – mit Kurzarbeit und zum Teil auch Entlassungen im Gefolge – sind aus Teilbereichen der Stahlindustrie gemeldet worden. Besonders betroffen sind davon neben den Röhrenwerken von Mannesmann und Phoenix-Rheinrohr die Grobblecherzeugung der Dortmund-Hörder-Hüttenunion und der Phoenix-Rheinrohr AG; aber auch in anderen Sparten dieses Industriezweiges ist die Situation nur um Nuancen freundlicher.

Die Beschäftigung der gesamten Branche ist im Durchschnitt auf unter 70 v. H. abgesunken. Dabei sind die jeweils erreichten Höchstzahlen der einzelnen Werke zugrunde gelegt. Wenn die seitdem noch durchgeführten Kapazitätserweiterungen berücksichtigt würden – die eine jährliche Rohstahlerzeugung von eher 28 als 26 Mill. t gestatten dürften –, dann ergäbe sich ein noch geringerer Ausnutzungsgrad der vorhandenen Anlagen bei den westdeutschen Hüttenwerken.

Inlandgeschäft schwach

Die Anzeichen für eine Belebung der Stahlnachfrage sind noch sehr schwach – und sie können auch trügen. Nach wie vor liegt der Auftragseingang der Werke unter den Lieferzahlen. Im ganzen Jahr 1958 blieben die Auftragseingänge an Walzwerkfertigerzeugnissen um 15,5, die Lieferungen um 6,8 v. H. hinter den Vor jahrszahlen zurück. Der Auftragsbestand, den die Werke in das Jahr 1959 mit hineinnehmen konnten, war um 41,7 v. H. auf etwas mehr als 3 Mill. t gegenüber noch 5,2 Mill. t vor Jahresfrist zusammengeschrumpft.