Der "Dekafonds I" ist eine etwas unfreiwillige Gründung. Daß sie überhaupt notwendig wurde, zeigt, wie stark sich der Gedanke des Investment-Sparens im deutschen Sparerpublikum durchgesetzt hat. (Wir stehen ohne Zweifel erst am Anfang einer Entwicklung, wenn man davon ausgeht, daß die Bundesrepublik den gleichen Weg gehen wird wie beispielsweise die Schweiz oder die USA.) Den Dekafonds mußte man ins Leben rufen, als an den Sparkassenschaltern immer nachdrücklicher nach Investment-Zertifikaten gefragt wurde.

Nun ist es aber so, daß für die Sparkassen die Sparkonten der Kundschaft die Geschäftsgrundlage bilden und daß das diteilte Wertpapiergeschäft der Kundschaft "nur am Rande mitläuft". Sie dürfen nun nicht glauben, meine verehrten Leser, daß die Sparkassen grundsätzlich wertpapierfeindlich sind. Von den Kassen werden ständig (hauptsächlich festverzinsliche) Wertpapiere erworben, und zwar mit den Spargeldern der Kundschaft. Die Zinsen bei den Wertpapieren benutzt man dann, die Verzinsung der Spareinlagen durchzuführen. Aber das ist nur eine Seite des Sparkassengeschäfts, dessen eigentlicher Schwerpunkt in der Kreditgewährung (meist Hypotheken) liegt. Er tritt aber unweigerlich eine Einengung der Dispositionsfreiheit ein, wenn der Kontensparer zum direkten Wertpapiersparen übergeht, weil er dann über sein Geld selbst verfügt, allerdings damit auch das Kursrisiko selbst übernimmt. Der Lohn: eine bessere Verzinsung!

Aber – wie schon gesagt – die Sparkassen konnten sich den Kundenwünschen nach Investment-Zertifikaten auf die Dauer nicht entziehen. Da nun Gründung und Verwaltung eines Fonds nicht gerade ein schlechtes Geschäft für die Veranstalter sind, hat man einen eigenen Fonds gegründet. Seine Zertifikate wurden und werden dem Kunden auf Wunsch angeboten.

Nun muß man gerechterweise sagen, daß mit dem Dekafonds I ein sehr guter Fonds aus der Taufe gehoben worden ist. Das kommt (wegen der bereits erwähnten Gründe) weniger in der Anzahl der verkauften Zertifikate (31. 12. 56: 86 269, 31. 12. 57: 162 747, 31. 12. 58: 355 371) zum Ausdruck, sondern vielmehr in den recht guten Ausschüttungen, und weiter in der Steigerung der Ausgabepreise. Am 31. 12. 57 betrug der Preis je Zertifikat 114,20 DM, am 30. 1. 59 war er auf 177,80 DM angewachsen. Von der Wertsteigerung der Zertifikate (etwa 55 v. H.) erhält der Zertifikatsinhaber jetzt 7,50 DM ausgeschüttet (für 1956 betrug die Ausschüttung 6,50 DM).

Auf den Ausgabepreis von 177,80 DM berechnet, beträgt die durch die Ausschüttung eintretende Rendite etwa 4,2 v. H. Sie konnte deshalb über dem Renditendurchschnitt deutscher Spitzenwerte des Aktienmarktes liegen, weil in der Ausschüttung von 7,50 DM für 1,87 DM Bezugsrechterlöse und realisierte Kursgewinne enthalten sind. Die Unterscheidung zwischen weitergegebenen Dividenden und Erlösen aus Bezugsrechten und Kursgewinnen ist aus steuerlichen Gründen wichtig, denn Privatpersonen, welche die diversen Freigrenzen bereits voll in Anspruch genommen haben, brauchen auf alle Fälle nur die Dividendeneriöse (hier 5,63 DM) zu versteuern.

Die Feststellung, daß der Dekafonds I im Berichtsjahr 1958 gut verwaltet wurde, ist für die Inhaber der Zertifikate sehr beruhigend, sie reizt aber andererseits alle Wertpapiersparer dazu, nach dem Rezept zu forschen, nach dem die Verantwortlichen gehandelt haben. Das Fondsvermögen enthält am Abschlußstichtag Aktien von 42 Unternehmen nach folgender Branchengliederung:

Interessant ist die geradezu drastische Vermehrung der Chemie-Werte, die – sieht man sich die Kurssteigerungen in dieser Grupoe an – zweifellos ebenso berechtigt war wie der Abbau des Anteils an der Montanindustrie. Ein Fonds, der seine Heimat in Düsseldorf hat, wird wissen, was man gegenwärtig von den Aktien der Schwerindustrie zu halten hat. Gewachsen ist auch der Anteil der Elektrowerte; auch diese haben an der Hausse der vergangenen Monate sehr wesentlich teilnehmen können. Der Anteil der Versorgungswerte wurde offensichtlich vergrößert, weil es sich hier um Papiere handelt, die als sichere Dividendenbringer gelten, bei denen außerdem Bezugsrechte von Zeit zu Zeit sicher sind. (Bemerkenswert: im Fonds befinden sich HEW, RWE, Nordwestdt. Kraftwerke und Rheinische Elektrizitäts AG, aber nicht Bekula, obwohl hier die Rendite ungewöhnlich günstig ist. Doch dürfte hier das Berlin-Risiko eine gewisse Rolle spielen.) Etwas zurückhaltend scheint man auch gegenüber den Bankaktien zu sein, die nur 2,69 v. H. des Fondsvermögens ausmachen. Davon betreffen 2,69 v. H. Aktien der Deutschen Bank.