Sie dürfen nicht stimmen, die Schweizerinnen nämlich. Was sonst nur noch ein paar mohammedanische Staaten ihren Frauen verwehren, bleibt den Bürgerinnen der ältesten Demokratie Europas weiterhin versagt: zu wählen und gewählt zu werden. So haben es die Schweizer Männer am vergangenen Sonntag mit Zweidrittelmehrheit beschlossen. Und da die Verfassung der Eidgenossenschaft nicht anders als durch eine Volksabstimmung (der Männer) geändert werden kann, werden die Frauen auch in Zukunft zu Hause bleiben müssen, wenn ihre Gatten und Väter zur Urne gehen.

Der Entscheid des "Souveräns" kommt nicht unerwartet. Niemand, der die helvetische Mentalität kennt, konnte annehmen, daß die Widerstände überwunden werden könnten, die sich einer solchen Reform in den Weg stellen (und die beileibe nicht nur von den Männern, sondern mancherorts auch von den Frauen selber ausgehen). Gegen 30 Abstimmungen in Gemeinden und Kantonen seit dem Ende des ersten Weltkrieges haben durchweg mit demselben Ergebnis geendet.

Da ist aber am Sonntag doch eine Bresche geschlagen worden: Zum erstenmal hat ein Kanton – der drittgrößte sogar: das kalvinistische und französisch-sprachige Waadtland – am 1. Februar in einer gesonderten kantonalen Abstimmung seinen Frauen das aktive und passive Wahlrecht (wenn auch vorerst noch nicht das Stimmrecht bei Initiative und Referendum) zugestanden. Es zeigte sich überhaupt, daß die Eidgenossen französischer Zunge galanter waren als ihre alemannischen Brüder: auch Neuenburg hat sich knapp, Genf gar nahezu mit Zweidrittelmehrheit zum Frauenstimmrecht bekannt; so dürfte wohl die einstige Republik Calvins bald dem Vorbild des waadtländischen Nachbarn folgen.

Der Bann ist also gebrochen. Und wenn einer erst einmal den Anfang gemacht hat, dann kommen meist andere bald hinterher. A.