DIE ZEIT

Angriff von links und rechts

Um ein Regime zu verstehen, muß man seine Gegner kennen. Die meisten Fehlurteile über das Regime de Gaulles (das mit dem buntscheckigen "Gaullismus" keineswegs identisch ist) rühren davon her, daß man es für eine Machtergreifung durch Extremisten, für einen radikalen Neuanfang hält.

Des weißen Mannes Ehre

Dem 46jährigen Eisenbahnarbeiter Peter Jansen van Vuuren, Bürger der Südafrikanischen Union, wurde ein Geschick zuteil, das Selbst in unserer an Verrücktheiten gewiß nicht armen Welt den Rang höchster Abstrusität erreicht.

Die Krupps

Schlagworte sind wertbeständige Münze: nicht totzukriegen. Und sie bleiben häufig auch dann noch im Umlauf, wenn sie längst schon zur Falschmünze geworden sind.

Berliner Funktionärskänipfe

Wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin dieser Tage seine mehrwöchige Reise nach Amerika und Ostasien antritt, so hinterläßt er in Berlin eine unvollständige Regierung.

Galante Welsche

Sie dürfen nicht stimmen, die Schweizerinnen nämlich. Was sonst nur noch ein paar mohammedanische Staaten ihren Frauen verwehren, bleibt den Bürgerinnen der ältesten Demokratie Europas weiterhin versagt: zu wählen und gewählt zu werden.

Gefährliche Koalition

Man sollte die Dulles-Reise nach Europa nicht dramatisieren. Es ist nicht so, daß die westliche Allianz in allen Fugen kracht, wenn es einmal gewisse Schwierigkeiten bereitet, die verschiedenen Bündnispartner unter einen Hut zu bringen.

Club-Interesse

Nikita Chruschtschow hat auf dem XXI. Parteitag eine atomwaffenfreie Zone für den Pazifik vorgeschlagen. Der Rapacki-Plan, der das gleiche für Zentraleuropa vorsieht, wird nicht nur vom Osten propagiert, sondern fand auch im Westen Befürworter.

Das rosarote und das schwarze Ballett

Die beiden Skandale, die in diesen Tagen Paris erschüttern, die Geschichte der Ballets roses und die der Ballets noirs, haben nichts miteinander gemein, es sei denn dies: der rosarote Skandal, der von kleinen Mädchen handelt, belastet Figuren der Vierten Republik, während die finstere Affäre Walter-Lacaze führenden Männern der gegenwärtigen Fünften Republik schwere Sorgen macht.

Der eiserne Heinrich

Mit der Forderung der Fünf-Tage-Woche für den Bergbau und dem Vorwurf, die Bundesregierung bereite ein "wirtschaftliches Stalingrad" vor, hat Heinrich Gutermuth in der vorigen Woche in Bochum Schlagzeilen gemacht.

ZEITSPIEGEL

"Lukrative Einkünfte aus Importkohle- oder Ölgeschäften waren interessanter als das Schicksal der treuen Menschen an Rhein und Ruhr.

Die Majestät des Gesetzes

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hat den Satz Montesquieus von der Trennung der Gewalten zur Grundlage der rechtsstaatlichen Ordnung der deutschen Demokratie gemacht.

Politik in der Justiz?

Der Fall des Hamburger Holzkaufmannes Friedrich Nieland gibt Anlaß zu wichtigen Überlegungen

Frei bis zum Übermut

Die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die unverständliche, schon aus Verfahrensgründen unlogische Entscheidung, die beiden Pamphletisten außer Verfolgung zu setzen, verwarf der Erste Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts "aus den zutreffenden Gründen des angefochtenen Beschlusses", wie es hieß.

Vielrassenstaat als Lösung

Zu Finanzberatungen mit Kolonialminister Lennox-Boyd seien die Gouverneure der vier ostafrikanischen Kolonien Großbritanniens letzte Woche nach Chequers, dem Landsitz des englischen Ministerpräsidenten, gekommen, hatte es zunächst geheißen.

Warum sie aus der Zone flüchten

Wie leben die Menschen in der Zone? Was treibt sie zur Flucht? Eine Umfrage, die das Münchener Institut "Infratest" im Auftrage des Bundesministers für Gesamtdeutsche Fragen durchgeführt hat, wirft auf die Motive der Zonenflüchtlinge neues Licht.

Nikita S. Janus

Ein Weimarer Diplomat stellte einst Maxim Litwinow die Frage, wer eigentlich in Rußland Politik mache – die Partei oder die Regierung.

Nur für ruhige Deutsche

Die amerikanische Presse zwar war meist der Ansicht, Charles Wheeler Thayer, vor dem Krieg amerikanischer Diplomat in Hamburg und Berlin, nach dem Krieg unter anderem Chef der Stimme Amerikas, Verbindungsoffizier zur Bundesregierung und Kommissar für Bayern, seit 1953 tätig als politischer Publizist, beurteile die Deutschen mit großer, wenn nicht gar zu großer Sympathie.

Die Fische als Zeugen

Die Reiselektüre für eine längere Seefahrt mit einem Fischereiforschungsschiff hatte ich vorher sinnvoll auszuwählen versucht.

Unser Seller-Teller Januar 1959

Wenig hat sich geändert im Verhältnis zu den bestverkauften Büchern des vergangenen Monats. Die große Schiwago – Rückflutungswelle ist ausgeblieben; weiter liegt der Roman des russischen Nobelpreisträgers an der Spitze der Verkaufserfolge.

Politik von A bis Z

Während der letzten Jahre sind mehrere politische Lexika auf dem Büchermarkt erschienen. Sie haben mancherlei Kritik gefunden – so etwa das Wörterbuch von Theimer und das (in mehr als einem Punkt politisch recht anstößige)von Pfeffer, So klaffte auf diesem Gebiet noch immer eine Lücke.

"Hakenkreuze über Hamburg"

Im "Express" vom 29. Januar, dem Pariser Wochenblatt, das Mendès – France nahesteht, beginnt eine Spalte der Block-Noten, die François Mauriac dort allwöchentlich veröffentlicht, so: "Michel del Castillo kehrt soeben aus Deutschland zurück.

Nr. 6 vom 10. Februar 1949: In Korea

Die Sowjets haben ihre Zone geräumt und eine "freie und demokratische" Regierung eingesetzt, und in der amerikanischen Zone hat der Marshallplan-Administrator Hoffman, als er auf seiner Sechzehntagereise durch Europa und Asien in Soeul eine Pressekonferenz abhielt, gesagt, er erwarte, daß Südkorea bis zum Endtermin des Marshallplans 1952 auf eigenen Füßen stehen werde.

L.M., dem guten und klugen Mann

Vielleicht muß man auf einer Zeitungsredaktion sitzen, um einen Begriff davon zu kriegen, wie viele hervorragende und verdiente Leute allwöchentlich 50, 60, 65, 70, 75, 80 Jahre und älter werden.

"Dantons Tod" in London

Viele der kleineren Rollen erfordern mehr, als die Schauspieler in dieser Vorstellung leisten konnten." Mit diesem Satz allein gestattet sich die Times – die wohlerzogenste aller Zeitungen – die Aufführung zu tadeln.

ZEITMOSAIK

Nicht ein neuer Shakespeare, aber sicher ein neuer Marlowe – so hatte einer der ersten englischen Theaterkritiker, Kenneth Tynan, seinen Landsmann John Osborne charakterisiert.

Er wird ein Taugenichts und großer Herr

Von Thilo Koch Fleißige Casanova-Forscher machten eine 45 Seiten lange Aufstellung seiner Einnahmen und Ausgaben – "soweit diese in den Erinnerungen aufgeführt sind", und das Ergebnis ist: Casanova lebte vom Spiel, von Geschenken, finanziellen Transaktionen und Spekulationen, aus Lotterien und – von Autorenhonoraren, die freilich damals äußerst, äußerst mager wären und nur durch Subskriptionen hereinkamen.

Bayern: "Uniformen nicht erbeten!"

Im Mittelpunkt des Münchener Faschings steht nicht der offizielle Faschingsprinz – sondern ein Offizier der Luftwaffe: Leutnant Paul Walter.

Nun schnupfen sie wieder

Das Schnupfen, einst so verbreitet wie heute das Rauchen, erlebt gegenwärtig in Oberbayern eine erstaunliche Renaissance. Von all den vielen Vereinen, die im letzten Jahr gegründet worden sind, hat der "Schnupfclub Aising" im Inntal wohl die größte Popularität erlangt.

Metallverbrauch als Indiz

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Ost und West kann einerseits an der Produktion, andererseits am Verbrauch gemessen werden.

Gerecht, aber kompliziert

Mehrere Bundesländer gehen in diesem Jahr dazu über, den sozialen Wohnungsbau in größerem Ausmaß durch Zinsverbilligung zu fördern.

Der Index und die Edel-Freßwelle

Die Hausfrauen klagen darüber, es werde alles teurer und dem Index für die Lebenshaltungskosten sei nicht zu trauen. Vor einigen Tagen hat nun ein großes Unternehmen des Lebensmittel – Einzelhandels im rheinisch-westfälischen Raum, das im letzten Geschäftsjahr (bis Ende August 1958) in 92 Filialen einen Umsatz von über 100 Mill.

Zwischen Hammer und Amboß

Wenn der Westen hofft, durch land konstituiert, muß bestimmt ein Staudamm ht gerade an überlebten Einrichtung hängen, Industrie eingesetzten Kapitalien exportfähige verließen.

Vereinsbank in Hamburg: gutes Kreditgeschäft

Der diesjährige Reigen der Bankbilanzen wurde von der Vereinsbank in Hamburg zwar mit keiner Dividendenüberraschung eröffnet, aber doch mit einem respektablen Dividendenvorschlag, der die ausschüttungsfreudige Tradition der Bank fortsetzt.

Hoechst braucht Kapital

Die Farbwerke Hoechst AG, vormals Meister Lucius Brüning, Frankfurt-Höchst, segeln auch heute noch im Winde einer guten Mengenkonjunktur.

Neue Lichtblicke für Umsatzsteuerreform?

Die parlamentarischen Umsatzsteuer-Reformer haben die Enttäuschung rasch überwunden, die ihnen der Bundesfinanzminister in seiner jüngst veröffentlichten Umsatzsteuer-Denkschrift bereitete.

Nippon ante portas!

Japans Exportwelle schwillt an und mit ihr der Strom japanischer Waren. Fast jedes Land, ja, fast jede Branche bekommt den immer stärker werdenden Export-Drive der japanischen Wirtschaft zu spüren; gleichgültig, ob es sich um Schiffe oder Spielwaren, Porzellan oder Textilien, Schirme oder Fische handelt.

Börse: Atempause bei den Aktien

Wenn ein paar Tage lang die Aktienkurse nicht in der bislang gewohnten Weise steigen, pflegen viele Börsianer bereits bedenkliche Gesichter zu machen und nach Gründen zu suchen, die den Hausse-Stop verursacht haben könnten.

Kein neues Hoag-Kapital

Die Hauptversammlung der Hüttenwerk Oberhausen AG (Hoag), Oberhausen, verlief glatt, obwohl gegen den Dividenden Vorschlag von 9 v.

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