Die seit zwei Monaten peinlich verworrene Lage innerhalb der deutschen Flugtouristik scheint sich langsam aufzuhellen. Entstanden war sie durch den Zusammenbruch der zwei unabhängen Luftverkehrsgesellschaften "Aerotour Deutsche Luftreederei" im Dezember in Hamburg und der "Trans-Avia Fluggesellschaft mbH" im vergangenen Monat in Düsseldorf. Beide Gesellschaften hatten dem hamburgischen Flugtouristikunternehmen "Aeropa Europäische Flugreisen Krukenberg & Co", später GmbH, zur Durchführung seiner Reiseprogramme nach Spanien, den Mittelmeerinseln, Ägypten und den Kanarischen Inseln Flugzeuge zur Verfügung gestellt. Durch ihre Konkurse haben sie kurz darauf nicht nur die "Aeropa", die finanziell stark an ihnen beteiligt war, geschäftlich ruiniert, sondern auch das deutsche Ansehen in Spanien schwer geschädigt. Krukenberg schuldet spanischen Hotels immer noch hohe Geldbeträge. Daß unter solchen Umständen jetzt die Hansestadt der "Aeropa" die Reisevermittlungstätigkeit verbot, überrascht nicht.

Zwei deutsche unabhängige Fluggesellschaften – die "Deutsche Flugdienst GmbH" (DFG) und die "Condor-Luftreederei GmbH" – stellen zur Zeit noch den Touristikunternehmen für Gesellschafts-Pauschal-Flugreiseprogramme ihre Flugzeuge zur Verfügung. Liniengesellschaften hingegen – wie die "Deutsche Lufthansa" – bieten Einzelplätze für Einzelpauschalreisen an. Heute arbeiten die "DFG" und die "Condor" mit der "Deutschen Flugtouristik GmbH KG", der Touropa-Scharnow-Hummel Reiseorganisation zusammen. Das Lufttransportunternehmen LTU übernimmt nicht mehr Aufträge von Flugtouristik-Unternehmen, wie noch im Dezember, und die in Hamburg neugegründete "Continentale Deutsche, Luftreederei" (CDL) ist noch nicht aktiv geworden. Diese Luftreederei wurde erst vor kurzem gegründet und in den letzten Januartagen in das Hamburger Handelsregister eingetragen, Ihr Sitz befindet sich am hamburgischen Flughafen Fuhlsbüttel. Sie will sich mit gewerbsmäßiger Personen- und Frachtbeförderung im Charter- und Trampverkehr und mit Touristenflügen beschäftigen. Das Stammkapital beträgt 200 000 DM, das zu 49 v. H. in den Händen des portugiesischen (nach anderer Lesart italienischen) Staatsangehörigen Mario Ferreira liegt.

Ferreira war zusammen mit der Bank für Gemeinwirtschaft in Frankfurt Hauptgläubiger, später Gesellschafter der im Dezember zusammengebrochenen "Aerotour Deutsche Luftreederei GmbH", die vorher als AG mit der inzwischen lahmgelegten "Aeropa Europäische Flugreisen, Krukenberg & Co.", zusammengearbeitet hatte. Die Aerotour besaß zwei "DC–4" Viermotorige, von denen sich zur Zeit noch eine in Stavanger (Norwegen) zur Generalüberholung befindet. Die zweite Maschine war von der Hamburger Flughafenverwaltung für laufende Verpflichtungen der "Aerotour" gepfändet worden. Die Bank für Gemeinwirtschaft, als Eigentümerin der beiden "DC–4", hat die gepfändete Maschine wieder ausgelöst und beide Flugzeuge an die "Continentale Deutsche Luftreederei" verkauft, deren Geschäftsführer der Hamburger Rechtsanwalt R. Hoff mann ist. 51 v. H. des Kapitals der CDL gehören einem Frankfurter Privatmann. Der Betrieb der CDL soll mit einer "DC–4" noch in diesem Monat und mit einer zweiten Anfang März aufgenommen werden. Ferner soll beabsichtigt sein, noch eine dritte "DC–4" gegen Ende April in Dienst zu stellen. Jedoch sind Flugzulassungen, soweit bekannt, vom Hamburger Luftamt nicht erteilt worden.

Das Touristikunternehmen "Aeropa" konnte – in Mitleidenschaft gezogen durch die "Aerotour"- und "Trans-Avia"-Pleiten – zu Anfang des Jahres 70 Touristen nur mit übergroßer Verspätung nach Deutschland zurückfliegen. Glücklicherweise verfügten die Spanienfahrer über geldliche Reserven, die erlaubten, Rückflüge oder Zwangsaufenthalte zu finanzieren, was Langstrecken-Flugtouristen zu denken geben sollte, Da deutsche Luftreedereien nicht genug spanische Landegenehmigungen besaßen, besonders für Teneriffa, versuchte die "Aeropa" belgische und englische Maschinen einzusetzen, die aber – bis zuletzt – durch fehlende Landegenehmigungen für deutsche Flughäfen behindert waren. Außerdem vertreten nicht allein spanische Behörden die Forderung, daß Reisende von derselben Luftreederei ausgeflogen werden sollten, die sie eingeflogen hat. Doch war nicht nur das amtliche Spanien durch den "Fall Aeropa" aufgebracht, der deutsche Konsul in Las Palmas mußte auch Mißstimmungen über "Aeropa" – Fehldispositionen bei der spanischen Bevölkerung beschwichtigen, Erst der deutsche Botschafter in Madrid, Freiherr v. Weide, erreichte die so dringend benötigten Sondergenehmigungen für die Landung der von der "Aeropa" gecharterten ausländischen Maschinen.

Das Ganze entwickelte sich aus einem lokalen zu einem internationalen Skandal, der auch einen Hamburger Bürgermeister zwang, mit dem spanischen Generalkonsul in der Hansestadt vermittelnde Gespräche zu führen. Aber auch das Bundesverkehrsministerium war verstimmt. Es scheute vor Flugsondergenehmigungen für ausländische Flugzeuge zurück, um nicht neue Reibungsflächen mit spanischen Behörden zu schaffen.

Tatsächlich bestand schon seit langem eine wachsende Kritik an den Dispositionen des hamburgischen Reiseunternehmers Helmut Krukenberg. Wenn man auch seine Initiative bei der Entwicklung der deutschen Flugtouristik anerkennen muß, so wurde sein Organisationstalent von der Fachwelt als mangelhaft bezeichnet. Allerdings hat er es geschickt verstanden, es vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen. Das Lavieren mit neuen Firmengründungen und -umgründungen erregte Mißtrauen,

Die innerlich und äußerlich für Deutschlands Flugtouristik peinliche Lage, die den Namen der "Aeropa" völlig in Verruf bringen mußte, wollte Krukenberg durch die Umgründung einer seiner vielen Zweigfirmen in die "Flugreisen Interopa Reisebüro GmbH" begegnen. Kürzlich wurde sie ins Hamburger Handelsregister eingetragen. Indes griff nunmehr das hamburgische Amt für Wirtschaftsordnung ein und untersagte auf Grund des Reisebürogesetzes von 1937, besonders im Hinblick auf die Gelder des Reisepublikums, Krukenberg, seiner Mutter Dr. G. Krukenberg und Ehefrau Gerda, die nicht nur in der "Aeropa", sondern auch in verschiedenen Zweigunternehmen des "Krukenberg-Konzerns" engagiert waren, die Reisevermittlertätigkeit. Entscheidend dürfte bei dem Einschreiten Hamburgs der Standpunkt des Bundeswirtschaftsministeriums eine Rolle gespielt haben, nachdem jeder Reisevermittler bestrebt sein müsse, bei der Berührung mit Einwohnern fremder Staaten das deutsche Ansehen zu wahren. Das gerade war in Spanien nicht geschehen, um es milde auszudrücken, und auch in Frankfurt hatten sechs Österreicher vergebens auf einen Flug auf die Kanarischen Inseln gewartet.

Abgesehen von der Überlegung, ob heute noch Luftreedereien ohne Verbindungen zu kapitalstarken Wirtschaftsgruppen rentabel arbeiten können – wie das zum Beispiel bei der Deutschen Flugdienst GmbH und der Condor der Fall ist – erhebt sich die Frage, wie wohl zukünftig eine straffere Kontrollmöglichkeit die Güte von Reiseunternehmen gewährleistet werden könnte in Fällen, wo die eigene Verantwortung der Unternehmer versagt, um die Wiederholung solcher Skandale zu vermeiden. –s–