Der XXI. Parteitag legte die neue Generallinie fest – Im Vordergrund: der Sieben jahresplan

Kongreß der Erbauer des Kommunismus hieß der XXI. Parteitag. Der Unterschied gegenüber dem letzten, dem XX. Parteitag, war frappant. Damals wetterten die Kritiker gegen Stalin, eine Fülle von Reformen wurde angekündigt, neue ideologische Richtlinien wurden festgelegt.

Der XXI. Parteitag hingegen zeichnet sich durch seinen Propagandacharakter und dadurch aus, daß er brennenden Problemen auswich. Neue Reformen sind nicht verkündet worden. Jegliche Kritik an Stalin ist unterblieben. Die 1269 Parteitagsdelegierten und 70 Delegationen ausländischer kommunistischer Parteien mußten sich dagegen endlose bereits bekannte Zahlenreihen über den Siebenjahresplan anhören. Fast sieben Stunden sprach Chruschtschow – 225 Schreibmaschinenseiten ist seine Rede lang. Mehr als die Hälfte ist dem Siebenjahresplan gewidmet.

Trotz aller Propaganda-Tiraden hat der Parteikongreß jedoch drei Fragen behandelt, die einer Betrachtung wert sind: Chruschtschows Darlegungen über den Übergang zum Kommunismus, der sich in den nächsten 15 Jahren in der Sowjetunion vollziehen soll, die Kampagne gegen die parteifeindliche Gruppe" und die in wenigen Zeilen zusammengedrängte sensationelle Erklärung über einen bevorstehenden Generationswechsel im Parteiapparat.

Übergang zum Kommunismus

Der Übergang zum Kommunismus hängt eng mit der Erfüllung des neuen Siebenjahresplans zusammen, der "das materiell-technische Fundament" dafür schaffen soll. Und wie sehr auch die Menschen der nichtsowjetischen Welt die langatmigen Erörterungen des Übergangs zum Kommunismus als Wortklauberei anmuten mögen – in der UdSSR und den Ostblockstaaten ist dies gegenwärtig das wichtigste Thema. Chruschtschow widmete ihm nicht von ungefähr einen langen und gewichtigen Abschnitt seines Referats, den die Prawda prompt als "eines der größten Werke des Marxismus-Leninismus" bezeichnete.

Nach der Sowjetideologie vollzieht sich ja die geschichtliche Entwicklung in jenen Ländern, in denen eine kommunistische Partei die Macht ergriffen hat, in zwei Phasen. In der ersten Phase, dem Sozialismus, werden durch Aufteilung des Großgrundbesitzes und Nationalisierung der Industrie die Gutsbesitzer und Kapitalisten entmachtet; eine darauffolgende Kollektivierung faßt die privaten Bauernhöfe zu Kollektivwirtschaften zusammen, und der Privathandel wird vom Staat oder von staatlich geleiteten Genossenschaften übernommen. In dieser "ersten" Phase bleiben jedoch noch zwei Formen des Eigentums bestehen: das staatliche und das kollektivwirtschaftlich-genossenschaftliche Eigentum; damit aber auch noch Unterschiede zwischen Stadt und Land. Auch der Staat, einschließlich seiner politischen Funktionen, bleibt noch bestehen. Die Produzenten werden noch in Form von monatlich ausgezahlten Löhnen nach ihrer Arbeitsleistung bezahlt.