Vor einigen Wochen hat der sogenannte Fall Nieland in Hamburg und weit darüber hinaus in der Bundesrepublik Aufsehen erregt. Es ging dabei um eine antisemitische Broschüre, die der Holzkaufmann Nieland verfaßt und die der Drucker Heinberg als Manuskript gedruckt und an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik verschickt hatte. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg hatte Beschwerde gegen die beiden erhoben, aber die Strafkammer des Landgerichts Hamburg und der Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts hatten nach Untersuchung des Falles die Verfolgung eingestellt. Der Sturm der Entrüstung, der sich daraufhin erhob, veranlaßt uns, einigen Fragen nachzugehen, die mit dem Problem der politischen Rechtsprechung zusammenhängen. In dieser Nummer hat der frühere Hamburger Generalstaatsanwalt Gerhard Kramer das Thema der Politik in der Justiz am Fall Nieland aufgezeigt. In der nächsten Nummer wird Generalbundesanwalt Max Güde, Karlsruhe, die demokratische Verantwortung der heutigen Justiz untersuchen. In der Woche danach gibt dann der Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart, Richard Schmid, ein Bild der politischen Rechtsprechung in der Weimarer Zeit; am Ende wird Prof. Carlo Schmid abschließende Betrachtungen über Gerichtsbarkeit und politische Grundordnung des Staates anstellen.