GK, München

Im Mittelpunkt des Münchener Faschings steht nicht der offizielle Faschingsprinz – sondern ein Offizier der Luftwaffe: Leutnant Paul Walter. Ein einziger Satz, der ihm im Eifer des Leserbriefschreibens zu Papier gekommen ist, hat ihm zu dieser Stellung verholfen.

Leutnant Walter ging zum Presseball. Er ging in Uniform. In den Ankündigungsinseraten der Zeitungen hatte schließlich gestanden: "Gesellschaftsanzug – Abendkleid – Uniform." Der Ball war ganz nett. Allerdings fehlte die angekündigte Bonner Prominenz – so die Bundesminister Strauß und Schäffer. "Aber wer vermißt schon das Militär und das Finanzamt bei einem Ball", schrieb der Filmklatsch-Kolumnist Hunter tags darauf in der Münchener Abendzeitung" und fügte hinzu: "Mich haben die Luftwaffenuniformen auf dem Parkett sowieso gestört."

Hätte der darob gekränkte Leutnant Walter nun nicht eine Zuschrift an die Zeitung geschickt und darin erklärt, dieser Hunter stehe mit seiner Meinung "allein auf weiter Flur", wäre die Sache wohl erledigt gewesen. So aber begann eine große Diskussion, und die Leserbrief-Lawine kam ins Rollen. Trotz faschingsbedingter "Nachtschicht" griffen sogar die Schreibfaulen zur Feder, um "Herrn Leutnant melden zu dürfen, daß Hunter mit seiner Meinung nicht allein auf weiter Flur steht".

In Uniform zum Faschingsball? Die meisten, die sich äußerten, waren dagegen. Unter der grotesken Ballsaaldekoration sei das Soldatenkleid eben fehl am Platze. Ein Hauptargument in dem lebhaften Disput war, daß es sich bei der Uniform nicht mehr um einen Gesellschafts-, sondern um einen Arbeitsanzug oder eine Berufskleidung handle. "Und kein Eisenbahner, Feuerwehrmann oder Nachtwächter geht in seiner Uniform auf den Ball; keine Krankenschwester, kein Metzger, kein Chemiker in seinem Arbeitskleid."

Ein Obergefreiter a. D., zur Zeit Filmproduzent, ließ den wackeren Leutnant wissen: "Ich kenne sie in allen Variationen: elegant und dreckig, ich kenne sie als einfacher Infanterist aus Polen, Frankreich und Rußland. Und dann kenne ich sie blutig und als Leichenanzug aus meiner sechsjährigen Gefangenschaft in Sibirien. Können Sie, Herr Leutnant, nun verstehen, daß es Menschen gibt, die auf einem Ball keine Uniformen sehen können?"

Aber auch Leutnantsgattin Christel Walter schaltete sich in die Auseinandersetzung ein. Charmant erklärte sie der Öffentlichkeit, daß – wäre auf der Einladung zum Presseball nicht eigens "Uniform vermerkt gewesen – ihr Mann sehr wohl mit einem Smoking hätte erscheinen können.