Der diesjährige Reigen der Bankbilanzen wurde von der Vereinsbank in Hamburg zwar mit keiner Dividendenüberraschung eröffnet, aber doch mit einem respektablen Dividendenvorschlag, der die ausschüttungsfreudige Tradition der Bank fortsetzt. Die auf den 14. März einberufene Hauptversammlung soll beschließen, eine Dividende von 15 v. H. zu verteilen. Für 1957 wurden 12 v. H. Dividende und ein Bonus von 2 v. H. ausgeschüttet. Der Bonus – so wurde damals gesagt – sei eine Folge von Sondergewinnen, die man offensichtlich auch bewußt als solche deklariert hat, um die Aktionäre auf diese Weise vor übertriebenen Dividendenhoffnungen zu bewahren. Damals war die Ermäßigung der Körperschaftsteuer für ausgeschüttete Gewinne bereits im Gespräch. Hätte die Dividendenentscheidung für 1957 schlicht über 14 v. H. gelautet, wären die Dividendenerwartungen bei rein schematisch denkenden Aktionären wohl beträchtlich über 15 v. H. hinausgegangen. Mit der Bonus-Lösung sind die Vereinsbank-Aktionäre im übrigen besser gefahren als die Großbank-Aktionäre, die im Vorjahr nur die gleiche Dividende wie für 1956, nämlich 12 v. H., erhielten. Auch diese Entscheidung wurde seinerzeit im Hinblick auf die Notwendigkeit getroffen, für 1958 die Dividende wegen der ermäßigten Körperschaftsteuer erhöhen zu müssen.

Sieht man von den Erwägungen ab, die im Vorjahr als Folge der damals bevorstehenden Änderung in der Körperschaftsteuer angestellt wurden, dann pflegen die Bankendividenden zumindest den Trend widerzuspiegeln, wie er in der Ertragslage zum Ausdruck kommt. Die Ausschüttung bildet aber stets nur einen Teil des Gewinnes. In der Regel geht eine wesentlich höhere Summe in die offenen und stillen Reserven. Die Vereinsbank hat aus dem auf die Dividendenausschüttung abgestellten Reingewinn von 4.4 Mill. DM (er liegt um 0,16 Mill. höher als in 1957) 2 Mill. DM den Rücklagen zugeführt, die damit genau die Höhe des Grundkapitals, nämlich 16 Mill. DM, erreicht haben. Zu erwähnen ist außerdem die Erhöhung der Pensionsrückstellungen, die um 0,5 auf 9 Mill. DM angereichert wurden, weil auch diese gemeinhin jetzt zum Eigenkapital eines Unternehmens rechnen. Diese Betrachtungsweise hat sicherlich einige Berechtigung, doch ist sie politisch nicht ganz ungefährlich, weil es in den Gewerkschaften Leute gibt, die über den Posten "Pensionsrückstellungen" (als Kapital der Belegschaft) gewisse Einflußrechte geltend machen wollen.

Klammert man die Pensionsrückstellungen aus, dann beträgt das ausgewiesene Eigenkapital der Vereinsbank (Grundkapital + offene Rücklagen) 5,65 v. H. der auf 565 (543) Mill. DM erhöhten Bilanzsumme. Die Zuführung von 2 Mill. zu den Rücklagen hat das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme, das per 31. 12. 57 noch 5,5 v. H. betrug, leicht verbessert. Diese Relation kann sich, vergleicht man sie mit anderen Bankbilanzen, durchaus sehen lassen. Eine Notwendigkeit, das Kapital zu erhöhen, bestand also nicht. Natürlich steht auf einem anderen Blatt, ob eine Bank bei weiterer Konsolidierung der Wirtschaft dieses Verhältnis als ideal ansehen kann, zumal wenn sie so aktiv im Auslandsgeschäft steht wie die Vereinsbank in Hamburg.

Im Geschäftsbericht wird ausgeführt, daß die Zinseinnahmen trotz verringerter Zinsmarge durch ein vergrößertes Kreditvolumen gehalten werden konnte. Die erhöhten Personalkosten ließen sich durch Provisionseinnahmen und durch die Einkünfte aus dem stark erweiterten Wertpapiergeschäft decken. Tatsächlich sind die Debitoren auf 226,6 (197,0) Mill. DM gestiegen, und zwar hauptsächlich die der Nichtbankenkundschaft. Hier wird der besondere Tätigkeitsbereich der Bank sichtbar, der im wesentlichen in der kurzfristigen Warenfinanzierung liegt. Die Zunahme bei den Einlagen um rund 29 Mill. DM konnte in voller Höhe dem Kreditgeschäft nutzbar gemacht werden, sicherlich auch so, daß keine "Qualitätsverschlechterung" bei den Kreditnehmern in Kauf genommen zu werden brauchte. Festzustellen ist, daß die Einlagen trotz des guten Wertpapierabsatzes über die Bank gestiegen sind (die Spareinlagen übrigens um 20 v. H.), daß aber andererseits die Debitoren – wegen der im wesentlichen in Handel und Schiffahrt tätigen Kundschaft – nicht unter der lebhaften Emissionstätigkeit des vergangenen Jahres gelitten haben, weil offensichtlich keine Kredite gewährt worden sind, die durch Emissionen abgelöst wurden.

Da kein Mangel an Kreditnehmern vorhanden war, bestand auch nicht die Notwendigkeit, den Wertpapierbestand "drastisch" zu erhöhen. Er erscheint per 31.12.58 mit 41,7 (33,6) Mill. DM und ist "vorsichtig" bewertet. In ihm dürften also beträchtliche stille Reserven stecken, ebenso wohl auch in den Rückstellungen von 20,9 (18,8) Mill. DM. Daß daneben Sorge für eine ausgezeichnete Liquidität getragen wurde, braucht bei der beinahe schon sprichwörtlich gewordenen soliden Bilanzierungsweise der Bank kaum mehr betont zu werden. K. W.