Wer soll das bezahlen? – Karneval mit permanentem Kater

Von Heinz Stuckmann

Es war am Donnerstag der vergangenen Woche, jenem Tag, den man in Köln die Weiberfastnacht nennt. Da zogen 14 Sträflinge – erkenntlich an den blau-weiß-gestreiften Kostümen – über die Kölner Hohe Straße. Sie hatten eine viel zu große Pauke, dazu mehrere Topfdeckel, die sie im Takt gegeneinander schlugen. Sie hatten auch eine viel zu kleine Ziehharmonika, außerdem waren die 14 Männer und Frauen heiser. Und so hörte man bei mehr als 10 Meter Abstand nicht viel mehr als das monotone Bum-Bum-Bum der Pauke und der Kochtopfdeckel, ein allen Kölnern in diesen Tagen bekanntes Geräusch. Nur ab und zu klang so ein Stück Refrain durch:

"Wir fühlen uns wohl,

wir fühlen uns wohl

im schönen Land Tirol."

"Se mache ne Zoch", sagt man hier: Sie machen einen Zug. Einen "Zoch mache" ist alte Kölner Sitte. Man tut sich mit Freunden oder Kollegen oder Nachbarn zusammen und zieht mit viel Lärm und allerlei Unfug durch die Straßen. Fast sieht es aus, als würde man – abseits vom offiziellen Karneval – wieder mehr und mehr zu dieser Form der Narretei zurückkehren. "Nie war an Weiberfastnacht soviel los", sagen die Kölner in diesem Jahr, obwohl das Wetter gar nicht günstig war. Weiberfastnacht ist der Tag, der am wenigsten offiziell festgelegt ist, und es sieht fast so aus, als sei man des offiziellen, vom Festkomitee in vielen ernsthaften Sitzungen festgelegten Karnevaltreibens ein wenig leid.