Frondizis mutiges Experiment – Einige magere Jahre stehen bevor / von Heinrich Kraft

Erst die Streikaktionen, von denen Argentinien in der zweiten Januarhälfte heimgesucht wurde, haben das Scheinwerferlicht auf Vorgänge gerichtet, die durch den Übergang der europäischen Währungen zur Konvertibilität lange überschattet worden waren. Die radikale Kursänderung, die in dem zweitbedeutendsten Land des südamerikanischen Kontinents nach einem Vierteljahrhundert interventionistischer Wirtschaftspolitik vorgenommen wurde, verdient höchste Aufmerksamkeit.

Der Irrweg des Peronismus

Eine Rückblende auf den wirtschaftlichen Weg, den Argentinien seit der großen Weltwirtschaftskrise gegangen ist, läßt unschwer die Konsequenzen einer Politik erkennen, die auf der verfehlten Vorstellung aufgebaut ist, allein der Staat sei für das Wohl und Wehe seiner Bürger verantwortlich. Die seit langem bestehende Reglementierung des Außenhandels wurde in Argentinien im Kriege noch verschärft, und auch der gesamte innere Wirtschaftsprozeß wurde zentral gelenkt. Gleichzeitig und im Einklang damit begann ein übertriebener Nationalismus zu wuchern, der seine Wurzeln in einer antiamerikanischen Haltung hatte. Beide Strömungen vereinigten sich im Peronismus.

Als Peron unumschränkt regierte, schwebte als Ziel seiner Wirtschaftspolitik das Ideal eines vollkommenen Versorgungsstaates vor. Die Mittel zu dieser Politik verschaffte sich der Staatspräsident auf dem Wege einer bedenkenlosen Geld- und Kreditschöpfung. Die Staatsschuld erreichte schließlich astronomische Ausmaße, und dazu trat, nachdem die ursprünglich hohen Gold- und Devisenreserven erschöpft waren, eine gewaltige Außenhandelsverschuldung.

Die Industrialisierung wurde nicht organisch vorgenommen, sondern von Autarkie- und Prestige-Gesichtspunkten bestimmt. Das Ergebnis war eine Teuerung, die von Monat zu Monat rapide Fortschritte machte. Die vom argentinischen Finanzministerium auf der Basis des Jahres 1935 (= 100) errechneten Lebenshaltungskosten, die 1946 erst bei 176,9 angelangt waren, sind bis zum Jahre 1955, dem Sturze Perons, auf 859,3 gestiegen. Die Inflation würde geschürt durch dauernde Lohnforderungen der Gewerkschaften.

Ein schweres Erbe