Kann der jakobinische Zentralismus überwunden werden?

Paris, im Februar

Letzte Woche hat im Elysee-Palast, dem Sitz von Präsident de Gaulle, die erste Sitzung des Exekutivrates der französischen "Gemeinschaft" (Communauté) stattgefunden. Dieser erste Zusammentritt der "Regierung" der französisch-afrikanischen Völkergemeinschaft wurde mit Spannung erwartet. Würde es dem neuen Regime in Paris gelingen, die allmächtige Tradition des jakobinischen Zentralismus zu durchbrechen und ein von wirklich föderalistischem Geiste durchwehtes "Commonwealth" nach britischem Muster zu schaffen? Nur wenn das gelänge, hätte Frankreich eine Chance, die schrittweise Auflösung seines Empire aufzuhalten.

Es hat sich gezeigt, daß der mächtige Einfluß von de Gaulle nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Beziehungen zwischen Paris und dem ehemaligen Kolonialreich eine Ausnahmesituation geschaffen hat. Wenn die offiziösen Meldungen eine überraschend "harmonische Atmosphäre" der Verhandlungen verzeichnen konnten, so lag das vor allem daran, daß diese Verhandlungen völlig von de Gaulle dominiert wurden.

Es fehlte unter den Ministerpräsidenten der zwölf afrikanischen "autonomen Republiken", die mit de Gaulle und zwölf französischen Ministern den Exekutivrat bildeten, ein Gegenspieler vom Format eines Seku Türe. Die vom senegalesischen Ministerpräsidenten Dia und seinem sudanesischen Kollegen Koné geführte Minderheit der "Föderalisten" konnte keine ihrer Forderungen durchsetzen. (Das schließt nun jedoch nicht aus, daß die Agitation weitergeht, sobald die schwarzen Staatschefs dem persönlichen Strahlungskreis des "Präsidenten der Republik und der Gemeinschaft" wieder entzogen sind.)

Tauziehen um die Hochkommissare

Daß in der Symbolik der "Gemeinschaft" die Attribute des jakobinischen Zentralismus – die Trikolore als Fahne, die Marseillaise als Hymne, "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" als Devise – beibehalten wurden, ist noch nicht ausschlaggebend. Und das Französische als Sprache der "Communaute" ist einfach unerläßlich – ohne sie könntesich ein Neger vom Kongo mit einem Neger aus Senegal gar nicht verständigen.