Ben, Hamburg

Er ist "131er" und bekommt eine Übergangsrente. Vom Osten verschlug es ihn in den Norden. Nun sitzt er weit draußen, am südlichen Rande Hamburgs, im Wartestand. Ringsum sind Wälder, und mitten im Wald ist eine Heilstätte.

Der Mann aus dem Osten ist zuerst viel gewandert, dann hat er sich lange geschont, und plötzlich begann er von morgens bis abends zu lesen. Und eines Tages sagte er sich: "Die Leute im Krankenhaus müßten auch mehr lesen..."

Also bewarb sich der Mann um eine Vertriebs-Helle für Zeitungen und Zeitschriften und kaufte sich ein Rad. Mit einer blauen Schirmmütze auf dem Kopf fuhr er von da an täglich in den Dienst. Seine Frau sagte wenigstens, er sei im Dienst – ganz wie früher. Jetzt aber saß er nicht am Schreibtisch, sondern fuhr mit seinen Zeitungen durch den Wald zur Heilstätte, wo er unter dem Personal die meisten Kunden hatte, und dann die Bundesstraße entlang zu den anderen Kunden und zum Schluß in das kleine Dorf.

Seinen Bronchien ging es allmählich besser, das Herz ging regelmäßiger, seine Frau ging ihm abends entgegen; sie hatte es nicht mehr im Rücken und aß genauso wie er: zweimal täglich warm.

"Er ist wirklich bescheiden", sagten die Leute. "Wenn man bedenkt, daß er schon früh die mittlere Beamtenlaufbahn eingeschlagen hat, und das mit

Erfolg. Wäre der Krieg nicht gekommen, säße er längst oben!"