England und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

Von Jacques Stohler

Langsam scheint in Großbritannien der Gedanke Fuß zu fassen, daß die Wirtschaftsintegration der sechs Länder, die sich zum Gemeinsamen Markt der EWG zusammengeschlossen haben, mehr und gefährlicher ist als, sagen wir, eine Zollunion auf dem Kontinent "hinten weit in Böhmen und Mähren". Wenn die wirtschaftliche Gefahr der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in britischen Augen immer stärker wird, so ist das weniger auf eine bereits akute Diskriminierung britischer Waren im Gemeinsamen Markt zurückzuführen – diese ist durch die Brüsseler Beschlüsse der EWG-Kommission gemildert worden – als auf die folgenden Tatsachen:

1. Es steht fest, daß die ursprüngliche Idee einer Freihandelszone jetzt aus der Diskussion ausgeschieden ist.

2. Der Ersatzplan der Brüsseler EWG-Kommission für die Freihandelszone, die sogenannte "Multilaterale Assoziation" zwischen den sechs EWG-Ländern und den übrigen elf Ländern des Europäischen Wirtschaftsrates (OEEC) wird jedenfalls an einer Diskriminierung aller Außenseiter des Gemeinsamen Marktes, auch der europäischen, festhalten. Die Diskriminierung ist nach dem Übergang Europas zur Konvertibilität der Währungen nicht mehr wirtschaftlich, sondern politisch begründet. Sie soll die Bereitschaft der EWG-Mitglieder zum engen Zusammenschluß demonstrieren.

3. Nachdem Frankreich seine Liberalisierungs-Verpflichtung im Rahmen der OEEC voll erfüllt hat, kann die OEEC gegenüber dem Gemeinsamen Markt der Sechs keine juristischen Vorbehalte mehr geltend machen.

4. Die Chancen eines OEEC-Gegenblocks zur EWG – eines Blocks der sogenannten "anderen Sechs", d. h. (außer England) Skandinavien, Österreich und die Schweiz, sind gering. Dänemark will offensichtlich auf engste Beziehungen zur EWG nicht verzichten, und die österreichische Bereitschaft zum Handelskrieg scheint fragwürdig. Zudem hätte Großbritannien als Schutzzolland – was es ja trotz liberalen Gebarens immer noch ist! – von einem Zusammenschluß der "andern Sechs", abgesehen von Prestigerfolgen, wenig zu gewinnen.