–ge, Bremen

Der Bremer Wohlfahrtssenator Karl Krammig ist erst seit wenigen Monaten im Amt, doch hat er schon mancherlei Ungemach erdulden müssen. Dies hängt mit den Unregelmäßigkeiten zusammen, die jüngst beim Bremer Ausgleichsamt aufgedeckt wurden. Dort nämlich hat der Rechnungsstellenleiter, ein 51jähriger Verwaltungsangestellter, seit 1956 zahlreiche Unterschlagungen begangen und auf simple Art und Weise mindestens 31 000 Mark für private Zwecke abgezweigt".

Bei derlei Pannen können die Behörden der öffentlichen Anteilnahme von vornherein gewiß sein. Aber die Verwaltung sorgte in diesem Fall noch für einen besonderen Clou: Ihr unentschlossenes Vorgehen ermöglichte dem Betrüger die Flucht. Zum Glück stellte er sich jedoch nach wenigen Tagen freiwillig der Polizei, so daß dem Steuerzahler weitere unnütze Ausgaben erspart blieben. Eine zeitraubende Fahndung hätte – wie man seit dem Verschwinden des bayrischen Ex-Ministers Alfred Loritz aus Bremen weiß – sicher noch einmal 25 000 Mark gekostet.

Die geglückte Flucht des Angestellten und sein verblüffend einfacher Unterschlagungstrick veranlaßten freilich den Kommentator einer bremischen Zeitung zu der bissigen Feststellung "Die Bremer hängen keinen, sie hätten ihn denn" und zu der nicht minder bissigen Frage, wie all das eigentlich habe passieren können. Senator Krammig schilderte daraufhin der Presse den überraschenden Hergang der Dinge.

Nach den Angaben des Senators hat sich der ungetreue Rechnungsstellenleiter die beim Bremer Ausgleichsamt seit Jahren übliche Praxis zunutze gemacht, den Kriegsgeschädigten die Hausratentschädigung in "Eilfällen" nicht zu überweisen, sondern an der Amtskasse auszuzahlen. Sein Trick bestand darin, durchschnittlich einmal im Monat eine Kassenanweisung über 800 bis 1000 Mark für Personen auszustellen, die nur auf dem Papier existierten. Unter dem Vorwand, der Anspruchsberechtigte sei verhindert und habe ihn gebeten, das Geld abzuheben, legte der Angestellte dann die Anweisung an der Kasse vor, nahm den jeweiligen Betrag gegen eine Interimsquittung in Empfang und übergab dem Kassenführer am nächsten Tag die von dem angeblichen Empfänger unterschriebene Bestätigung.

"Gehen denn die Empfänger-Quittungen nicht von der Kasse zu dem für die Akte zuständigen Sachbearbeiter zurück, der in diesen Fällen doch sofort festgestellt hätte, daß es Personen mit dem vom Rechnungsstellenleiter angegebenen Namen überhaupt nicht gibt?" wurde der Senator gefragt.

Seine Antwort: "Nach der Haushaltsordnung verbleiben alle Auszahlungsbelege bei der Kasse."