Von Thilo Koch

Casanovas Memoiren sind, übersetzt von Heinrich Conrad, neu erschienen im Verlag Langen-Müller, München. Diese Gesamtausgabe in 6 Bänden umfaßt 4240 Seiten und kostet in Leinen 120 DM, in Saffianleder 210 DM.

Mit Hilfe der Karnevalszeit und durch seine unglaubliche Ausdauer, auch durch sein Einfühlungsvermögen, hat Casanova es wieder einmal fertig gekriegt, das Fischlein ins Netz zu treiben – in Spanien, in Madrid, wo junge Mädchen mit fast orientalischer Strenge unter Verschluß, gehalten werden –: Doña Ignazia.

„Ich sagte hierauf zu ihr: Ich werde alle Dominos in meiner Wohnung bereit halten, in die Sie durch die Hintertür gelangen können. Wir werden in meinem Zimmer speisen; hierauf werden wir uns maskieren, um auf den Ball zu gehen, und wenn dieser zu Ende ist, werde ich Sie alle nach Hause bringen.“ (VI, 83.)

„Als es Abend wurde, fuhren wir nach dem Ballhaus, wo für diesen Tag der Graf von Aranda den Fandango nach Belieben erlaubt hatte; die Menschenmenge war jedoch so groß, daß es unmöglich war, ihn zu tanzen. Um zehn Uhr speisten wir zu Abend; hierauf gingen wir im Saal auf und ab, bis mit einem Schlage die beiden Orchester schwiegen. Es war Mitternacht, und die heilige Fastenzeit begann; der Karneval war aus.“ (VI, 87.)

„Da der erste Schritt einmal getan war, fühlte Dona Ignazia, daß sie sich lächerlich machen würde, wenn sie nicht auf meine Bemerkungen einginge, die sich alle mit der Frage beschäftigten, wie wir uns die Wonne verschaffen könnten, ganze Nächte miteinander zu verbringen. Die glühende Natur der Kastilianerinnen und ihre persönliche Eitelkeit brachten sie zu der Oberzeugung, daß sie nur daran denken mußte, mich zu fesseln. Sie fand mich die ganze Nacht hindurch zärtlich, eifrig und zuvorkommend. Beim Souper war ich darauf bedacht, ihr alles vorsetzen zu lassen, was sie gern aß und trank. So zwang ich sie, sich selber Beifall zu zollen, daß sie sich entschlossen hatte, ihren Widerstand aufzugeben. Ich füllte ihre Taschen mit Zuckerwerk und steckte in die meine zwei Flaschen Ratafia; diese gab ich der Mutter, die wir im Wagen eingeschlafen fanden.“ (VI, 80.)

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