Geboren in dem an bildhauerischer Tradition nicht ganz armen Berlin ..." so schrieb Gerhard Marcks einmal über sich selber. Eigentlich kann ich mich nicht erinnern, je einen großen Künstler gekannt zu haben, der so bewußt seine Wurzeln dem heimatlichen Bereich verhaftet wußte – nicht allein der schon fast legendären Stadt Berlin, sondern wirklich und ganz bewußt Preußen.

Marcks kennt alle Schattierungen und Nuancen dieses Preußischen. Seine Liebe zu ihm reicht von den Weiten der östlichen Landschaft, in der er die entscheidenden Eindrücke seiner Jugend empfing und mit Tieren, Wäldern und einfachen Menschen lebte, bis zu dem brandenburgischen Klassizismus von Schadow, Rauch, Schlüter und Schinkel, in deren Tradition er steht. Sein Werk, am preußischen Stil geschult und von griechischem Geist erfüllt, ist ganz zeitlos. Ernst und still und manchmal von großer Traurigkeit.

Wenn Gerhard Marcks am 18. Februar seinen 70. Geburtstag feiert und die Kunstwissenschaftler dieses Landes seinen Ruhm zu künden und sein Werk zu preisen wissen, wozu mir die Worte fehlen, dann wünsche ich, er wüßte, daß jemand in Gedanken mit ihm anstößt auf das, was unvergänglich ist an diesem Preußen, nach dessen Strenge und Klarheit er immer ein wenig Heimweh hat – und nicht nur er. Marion Dönhoff