II. Die Macht der Unterhaltung – 50 Millionen neue Schallplatten jährlich

Von Heinz Stuckmann

Am Beispiel dreier Fernsehsendungen – dem "Potpourri der guten Laune", dem "Filmkarussell" und "Hart auf Hart" – hat unser Mitarbeiter Heinz Stuckmann im ersten Teil seines Berichts aufzuzeigen versucht, wie stark und umstritten die Unterhaltungsindustrie ist; als beispielhaft für die Machtkämpfe auf diesem Gebiet wurden die Auseinandersetzungen um Kurt Feltz genannt, einen der erfolgreichsten Unterhaltungsmanager im Funk, Fernsehen, Film und auf dem Schallplattenmarkt. Wie steht es nun um den Vorwurf, Feltz habe sich eine Monopolstellung beim Fernsehen geschaffen?

In acht Monaten sind in den drei genannten Sendungen genau achtzehn Feltz-Schlager über das Fernsehen gegangen. 15 Stunden und 30 Minuten hat Feltz in dieser Zeit beim Fernsehen mitgewirkt.

Der Kölner Sender hat nun pro Jahr im Fernsehen 90 Stunden Unterhaltung zu bewältigen. Intendant Hanns Hartmann rauft sich bei dieser Zahl die Haare und sagt dabei: "Woher nehmen." Neun Stunden sind für die Heimatbühne geplant, Sendungen von mäßigem Niveau, die sich beim Publikum trotzdem (oder deswegen?) allergrößter Beliebtheit erfreuen. Neun Stunden sind dem Lustspiel vorbehalten. Zwölf Stunden gibt es Quiz auf dem Bildschirm. Eine Stunde ist das Düsseldorfer Kommödchen dran. Drei Stunden gibt es Operetten. Der Rest – 55 Stunden – sind oft ein großes Fragezeichen.

Es gibt keine Film-Studios in Köln und auch keine in der ferneren Umgebung. Also fehlen auch die Filmschauspieler, mit denen man etwas inszenieren könnte. Und die Filmindustrie denkt nicht daran, die Konkurrenz Fernsehen mit der noch so alten Reprise zu päppeln. Sollen sie sehen... Ja, Filmschauspieler mit Gagen von 35 000 DM aufwärts soll neuerdings in Zusatzklauseln ihrer Verträge das Auftreten im Fernsehen erschwert werden.

Die Intendanten Hartmann, Dr. Hilpert und Dr. Pleister wandten sich eines Tages an Kurt Feltz: Ob er nicht mal mitmachen wolle? Feltz sagt heute dazu: "Zunächst war ich nicht sehr begeistert davon. Ich habe Arbeit genug ... Aber schließlich wollte ich mich doch mal an dem neuen Instrument versuchen." Für die erste Abneigung scheinen indes noch andere Gründe maßgebend gewesen zu sein. Und die zaghaften Antworten des Kölner "Schnulzenkönigs" zu diesem Punkt scheinen der Vermutung recht zu geben, daß eben die Sache für ihn finanziell nicht sehr interessant war. Was verständlich ist... Der Mann hat einen Vertrag mit der Deutschen Grammophon-Gesellschaft, nach der er 20 v. H. der Produktion mit seinem Team zu machen hat. Und da Feltz das beste Pferd im Stall ist (bei 20 v. H. Produktion bis zu 83 v. H. am Umsatz beteiligt), sah die Gesellschaft die "Feltz-Fernseh-Spielereien" auch nicht gern. Doch es kam zu den Sendungen.