Im Oktober 1954 hat sich in Florenz das Institut für internationales und vergleichendes Agrarrecht konstituiert. An die Bundesrepublik, aus der acht Vertreter dieses Spezialgebietes – Universitätsprofessoren und Praktiker – zum Kongreß nach Florenz gekommen waren, erging damals die ehrenvolle Aufforderung, drei oder vier Jahre später die nächste Zusammenkunft der gleichen Art vorzubereiten. Nun fehlte es aber damals (wie auch heute noch ...) an einem organisatorischen Zusammenschluß der Agrarrechtler des Bundesgebietes, und so blieb den deutschen Gästen nur der Ausweg, das ihnen angetragene Mandat weiterzugeben: nämlich an ihre französischen Fachkollegen. Inzwischen hat das zweite internationale Treffen in Paris stattgefunden; den nächsten Kongreß will man in den Niederlanden abhalten. Aber noch immer ist es nicht zur Bildung einer deutschen Sektion gekommen ...

Die Gründe hierfür liegen in der mangelnden Aktivität der beiden Stellen, die in erster Linie berufen wären, initiativ zu werden; diese sind das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einerseits, der Zentralausschuß der deutschen Landwirtschaft (mit Bauernverband, Raiffeisen-Genossenschaften, Verband der Landwirtschaftskammern und DLG) andererseits. Offenbar scheitert die Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium und der berufsständischen Dachorganisation nicht einmal primär an der Frage, wer die – keineswegs sehr beträchtlichen – finanziellen Mittel für die Schaffung einer solchen bundesdeutschen Rahmenorganisation der Agrarjuristen verfügbar machen könnte. Das entscheidende Hemmnis dürfte vielmehr sein, daß die Beamten hier und die Verbandsfunktionäre da gleichermaßen von der Besorgnis erfüllt sind, bei den Verhandlungen möglicherweise ins Hintertreffen zu geraten und dann gezwungen zu sein, dem anderen Partner den Haupteinfluß auf die Besetzung der leitenden Posten in der noch zu schaffenden Organisation zu überlassen – Also unterbleibt,. aus der Besorgnis heraus, überspielt zu werden, und an Prestige zu verlieren, jegliche Initiative; für den Außenstehenden ergibt sich dabei der Eindruck, daß nur deshalb nichts geschieht, weil sich niemand kompetent fühlt...

Das ist gewiß ein sehr unbefriedigender Zustand, dem möglichst bald abgeholfen werden sollte: schon deshalb, weil man sich in Paris anschickt, eine weitere organisatorische Zusammenfassung für das Fachgebiet Landwirtschaftsrecht zu schaffen, die regional auf den Bereich der EWG beschränkt sein soll. Die Spitzenorganisation der europäischen Bauernverbände ist bemüht, sich hierbei einzuschalten, mit der Tendenz, diese "kleineuropäische Lösung" so zu gestalten, daß möglichst nur (in ihrem Sinne...) "verläßliche" Fachleute als Repräsentanten in Frage kommen. Einer derartigen Verengung im Organisatorischen aber sollte dadurch entgegengewirkt werden, daß man die bereits vorhandene und auf internationaler Grundlage arbeitende Organisation durch Einfügen einer bundesdeutschen Organisation stärkt.

Falls Bundeslandwirtschaftsminister Dr. h. c. Lübke meinen sollte, keine der Abteilungen seines Hauses sei so recht kompetent, um sich der Sache anzunehmen (was ja wohl auch der Fall ist...), dann müßte man eben vielleicht ein Haus weitergehen, um bei Herrn von Brentano oder – noch besser wohl – bei Fritz Schäffer das Interesse an der Schaffung einer deutschen Sektion in der internationalen Vereinigung der Agrarjuristen zu wecken. Oder aber (und das wäre der andere mögliche Weg): die Bonner Ministerien sollten ihr Desinteressement an dieser Frage erklären, und damit die Bahn für Andreas Hermes und Edmund Rehwinkel endgültig freigeben. Die Initiative fiele dann eindeutig den Spitzenorganisationen der Landwirtschaft zu, also dem "Zentralausschuß" und dem "Deutschen Bauernverband". E. T.