In Fremdwährung versichern?

Die D-Mark ist für den Inländer voll konvertibel geworden. Dadurch ist es auch wieder für jedermann möglich, eine Lebensversicherung mit allen in Deutschland ansässigen oder zum Geschäft zugelassenen Versicherungsanstalten nicht nur in D-Mark, sondern auch in einer ausländischen Währung abzuschließen. Die steuerlichen Vorzüge der Lebensversicherung werden beim Abschluß auf Fremdwährung in keiner Weise berührt. Beim Abschluß von Valuta-Versicherungen kommt es für die Versicherungsanstalten lediglich darauf an, daß sie die sich ansammelnden Deckungsvermögen auch in echten Valutawerten anlegen. Das Währungsrisiko tragen dagegen die Versicherten, die von der Freiheit Gebrauch machen, ihre Lebensversicherung auf eine andere Währung als die deutsche abzuschließen.

Ob Valutaversicherungen genauso günstig wie D-Mark-Versicherungen sind, hängt vor allem davon ab, wie sich die in Auslandswerten angelegten Deckungsvermögen verzinsen. Dividenden in einer Höhe, wie sie bisher bei D-Mark-Versicherungen anfielen, werden dabei allerdings kaum in Frage kommen. Mit der Beseitigung des Zinsgefälles werden sich aber die Dividenden im Verlauf der Zeit wahrscheinlich angleichen.

Jedenfalls empfiehlt es sich, diesen Gesichtspunkt mit in die Überlegungen einzubeziehen. Das gilt in verstärktem Maße für Lebensversicherungen in fremden Valuten, die im Ausland abgeschlossen werden. Solche Abschlüsse sind heute ebenfalls erlaubt. Jedermann kann in das Ausland fahren oder schreiben, um dort eine Lebensversicherung abzuschließen. Solche Abschlüsse werden als Korrespondenzverträge bezeichnet; sie liegen nur vor, wenn sie unmittelbar – also unter Ausschluß von Agenten – zwischen einem inländischen Versicherungsnehmer und einem ausländischen Versicherungsunternehmen abgeschlossen sind. Korrespondenzverträge sind steuerlich nicht privilegiert; als Sonderausgaben können Beiträge und Versicherungsprämien vielmehr nur abgezogen werden, wenn die entsprechenden Versicherungsunternehmen im Inland ansässig sind oder die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Inlande besitzen.

Bei dieser Lage wird sich aller Voraussicht nach an der Struktur des Versicherungsbestandes in Deutschland nicht allzuviel ändern, zumal es nur wenige Währungen in der Welt gibt, die das gleiche oder gar ein größeres Vertrauen als die D-Mark genießen. Valutaversicherungen werden praktisch nur in Frage kommen, wenn sie dem Risikoausgleich dienen. Trotzdem, die Freiheit des Marktes bringt einen schärferen Wettbewerb, nicht zuletzt, weil die deutschen Versicherungsanstalten jetzt auch wieder im Ausland auftreten können, sofern das dort geltende Recht dies zuläßt. Mit der Zeit wird sich so wieder ein Weltmarkt für Versicherungen mit weitgehend angeglichenen Bedingungen bilden.

Waldemar Ringleb