Die Dokumente, die im Zusammenhang mit dem Marseiller Mord gezeigt werden, sind genauso falsch, wie die Geschichte von dem Verrat an Rommel. Darüber liegen uns jetzt zwei Gutachten vor. Das eine stammt vom Auswärtigen Amt der Bundesregierung, das andere wurde unabhängig davon im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte von General a. D. Böhme angefertigt. Die Gutachten decken sich im sachlichen Gehalt. Sie unterscheiden sich darin, daß die Beobachtungen des Generals Böhme umfangreicher und detaillierter sind als die des Auswärtigen Amtes. Hier zunächst eine Probe aus dem Gutachten Böhmes zu dem zweiten Dokument, dem Schreiben, in dem Speidel Göring über den Stand der Vorbereitung des Attentats berichtet:

"Im Briefkopf ist ein Druckfehler unterlaufen: der Genetiv des Wortes .Militär-Attaché‘ lautet in der deutschen Sprache ‚Militär-Attachés‘. In der Anschrift von Görings Schreiben an Speidel findet sich der gleiche unmotivierte Fehler.

Es ist völlig unerfindlich, warum der Hauptmann Speidel ein derart heikles persönliches Schreiben an das .Reichsministerium für Luftfahrt zu Händen von Herrn Reichsminister ...‘ gerichtet hat und nicht an die persönliche Anschrift des Ministers.

Unbegreiflicherweise trägt das Schreiben trotz des Stempels ,Geheim‘ keinerlei Briefbuchnummer des Absenders, was wieder einen groben Verstoß gegen die Verschlußsachen-Vorschrift bedeutet. Korrekterweise hätte außer der eigenen Briefbuchnummer Speidels unter dem Briefkopf die Zahl der beigefügten Anlagen und die Nummer des Göringschen Schreibens, das beantwortet wurde, angeführt werden müssen.

Anrede und Schlußformel des Briefes widersprechen jeder Gepflogenheit. Die Anrede ‚Herr General!" ohne einen Höflichkeitszusatz (hier nach dem Rangverhältnis ,hochverehrter‘ oder ,hochzuverehrender’) hat es im deutschen Schriftverkehr überhaupt nicht gegeben, sie wäre stets als große Unhöflichkeit empfunden worden.

Die Schlußformel hochachtungsvoll stets Ihr sehr ergebener’ widerspricht gleichfalls allen militärischen Gepflogenheiten. Die Formel Hochachtungsvoll’ gab es im militärischen Schriftverkehr überhaupt nicht, die Worte ‚stets Ihr sehr ergebener‘ hätten im Schreiben eines Hauptmanns an einen General wiederum eine grobe Ungehörigkeit bedeutet. In Wirklichkeit wäre etwa geschrieben worden: ‚Mit dem Ausdruck meiner größten Hochachtung verbleibe ich Ihr (oder Herrn Generals) gehorsamster‘.

Auffallend ist, daß sich die Briefe Speidels und Haacks im Zeitpunkt der Photokopierurig in einem blütenweißen, jungfräulichen Zustand befanden haben müssen. Kein Zeichen, daß die Schreiben einmal gefaltet in einem Briefumschlag gesteckt haben oder daß sie in einem Aktenstück angeheftet worden sind!" Durch diese Widerlegungen allein werden auch alle weiteren Dokumentationen unglaubwürdig. Sie belasten nicht Speidel, sondern die Hersteller des Films, denen auch das unlauterste Mittel recht ist, um politische Gegner zu diffamieren.