Die NATO mag sehr bald schon ein sechzehnte! Mitglied erhalten: eine unabhängige Republik Zypern. Selbständigkeit für die friedlose Insel ist der Kern der Kompromißformel, die nach vier Jahren Guerilla-Aktionen die Lösung bringen soll.

Sechs Tage lang haben die Ministerpräsidenten und Außenminister Griechenlands und der Türkei hinter den verschlossenen Türen des Grandhotel Dolder in Zürich ihre Besprechungen geführt. Mitte der Woche sind sie sich über den Entwurf eines Zypern-Statuts einig geworden, der wohl als Protokoll von Zürich in die Nachkriegsgeschichte eingehen wird. Zypern soll danach eine unabhängige Republik werden, die sich nicht an Griechenland anschließen darf und deren türkischer Minderheit der besondere Schutz ihrer Rechte zugesagt wird. Im übrigen sollen die britischen Stützpunkte unter der Flagge der NATO erhalten bleiben.

Damit, so scheint es, hat zu guter Letzt doch die Vernunft gesiegt. Letzten Herbst schon sind die Griechen von ihrer Enosis-Parole, der Forderung nach Vereinigung Zyperns mit dem Hellenischen Königreich, abgerückt. Jetzt haben die Türken – ganz offensichtlich unter dem Eindruck der prokommunistischen Entwicklung im benachbarten Irak – ihre Maximalforderung nach Taksim, der Teilung der Insel, ebenfalls fallengelassen.

Es ist nun am Dritten im unseligen Zypernbunde, nämlich Großbritannien, auch seinerseits Zugeständnisse zu machen. Denn wenn der türkisch-griechische Plan Wirklichkeit werden soll, dann ist es notwendig, daß London seinen Souveränitätsanspruch über Zypern und Macmillan seinen auf sieben Jahre bemessenen Interimsplan für die Insel aufgibt. Th.S.