München

Wir haben dieses Jahr (sehr zögernd) an dem Vorfasten-Irrsinn in München teilgenommen, den man Fasching nennt. Die Faschingssaison, eine Orgie des Vergnügens, hat dieses Jahr nur 36 Tage gedauert und war damit eine der kürzesten seit Menschengedenken. Keine Nacht ohne ein Dutzend Bälle, unzählige Maskenfeste und private Kappen-Abende, bei denen die spaßliebenden Münchener sich in Riesenmengen von Bier, Würstchen, Wein und Frauen teilen.

Es ist recht schwer, über Fasching zu schreiben: einmal weil es da so vieles zu berichten gäbe, was nicht gedruckt werden kann; zum anderen, weil die Schreibmaschine nach unseren drei faschingstollen Nächten viel zuviel Lärm für unseren empfindlichen Brummschädel macht.

(Der Mann, der uns vor zwei Nächten hat, mit seiner Frau zu tanzen, damit er selber mit einer Blondine tanzen könne, wird gebeten, seine Frau in der Garderobe des Regina Hotels abzuholen.)

Um Ihnen eine ungefähre Vorstellung von der Tollheit des Münchener Faschings zu erschaffen, wollen wir Ihnen einen Bericht über den "Kindermaskenball in der Prinzenresidenz" im Bayerischen Hof geben. Daraus können Sie sich dann ein ganz gutes Bild von dem Treiben auf den Erwachsenenbällen machen. Die Kostümfeste der Kleinen sind gewissermaßen die Faschings-Übungsplätze für den Nachwuchs.

(Die Dame, die ihr Kostüm in unserem Mietwagen liegen ließ, wird gebeten, dasselbe bei der Hertz-Selbstfahrerzentrale abzuholen.)

Es müssen wohl über 500 Kinder gewesen sein: Maskierte Cowboys, indische Maharadschas, verschleierte Fatimas, blonde Engel, grüne Teufel, wilde und zahme Tiere (ein kleiner Junge kam als halbes Pferd; seinen Bruder, der für die andere Hälfte vorgesehen war, hatte die Grippe gepackt), ferner Clowns, Tänzer, Badeschönheiten und Tillergirls mit Sex-Appeal.