Die Dortmunder Hansa-Brauerei AG, Dortmund, zahlt für das Geschäftsjahr 1957/58 (30. 9.) wieder 12 v. H. Dividende. Die Körperschaftssteuersenkung für ausgeschüttete Gewinne hat sich also für die Aktionäre nicht ausgewirkt. An der Dividende merken sie auch nicht, daß der Ausstoß der Brauerei noch über dem Durchschnitt der Dortmunder Brauereien hinaus erhöht werden konnte. (Auf eine genaue Angabe im Geschäftsbericht darüber wurde verzichtet.) Angegeben ist, daß sich das Auslandsgeschäft um 4 v. H. steigerte und daß sich der Gesamtabsatz an Falschenbier auf 48,4 v. H. des Gesamtausstoßes stellte, nicht eingerechnet die Belieferung selbst abfüllender Großverleger, die zunehmend Tanks beziehen.

Über die Zurückhaltung in der Dividendenpolitik, die im nordrhein-westfälischen Raum nichts Besonderes zu sein scheint, wird im Geschäftsbericht direkt nichts gesagt. Aus den Ausführungen des Vorstandes kann man jedoch entnehmen, daß die Brauerei es gegenwärtig vorsieht, sämtliche verfügbaren Mittel für den weiteren Ausbau der Anlagen zu verwenden, der immer noch nicht beendet ist. Der jetzige Dividendenverzicht soll den Aktionären aber auf andere Weise zugute kommen. Per 30. 9. 58 wurden u. a. die freien Rücklagen um weitere 0,3 Mill. DM erhöht, so daß jetzt dem Grundkapital von 7,011 Mill. DM ausgewiesene Reserven von 6,638 Mill. zur Seite stehen. Auf diese Weise wurde nicht nur das Verhältnis der Eigenmittel zu den Anlagen (18,6 Mill.) verbessert, sondern auch gleichzeitig die Chancen für die Aktionäre erhöht, zur gegebener Zeit in einem günstigen Verhältnis Umwandlungs- (Gratis-) Aktien ausgeschüttet zu erhalten. Die Bereitschaft zu einem solchen Schritt ist im Geschäftsbericht verankert.

Zur Finanzierung der Investitionen hat die Gesellschaft nicht nur einen Teil der bisherigen Bankguthaben verwendet, sondern auch sämtliche festverzinsliche Wertpapiere verkauft. Daneben wurde der erhebliche Kapitalbedarf (der Anlagezugang beträgt ca. 8. Mill.) durch Umwandlung der Bankverbindlichkeit in eine mittelfristige Hypothekenschuld gedeckt. Der Besitz an Aktien blieb erhalten, "weil er wegen der ungünstigen steuerlichen Auswirkungen kaum zu realisieren ist". Hier liegt also wieder einmal der Fall vor, wo Aktien hätten aus wirtschaftlichen Beweggründen (weil man Geld zum Investieren braucht) verkauft werden sollen, aber die Steuer den vernünftigen Weg unterbindet und gleichzeitig verhindert, daß die gefährliche Marktenge am Aktienmarkt eine Linderung erfährt. Man sollte doch endlich einen Weg finden (niedriger Pauschalsteuersatz!), um die eingefrorenen Aktienbestände bei körperschaftssteuerpflichtigen Firmen wieder flottzumachen.

Die weitere Entwicklung des Brauereigewerbes in der Bundesrepublik beurteilt die Dortmunder Hansa-Brauerei zurückhaltend, Der Hopfenpreisrückschlag erleichterte im letzten Jahr die Aufrechterhaltung der Bierpreise. Im übrigen hält man die schwierige Lage bei Eisen- und Stahl sowie in der Textilindustrie für den Bierabsatz weniger gefährlich als die Auswirkungen, die der Gemeinsame Markt bringen wird. Abgesehen vom Bier sind auch die Preise für Gerste und Malz im Inland wesentlich höher als in den übrigen Ländern des Gemeinsamen Marktes, und ihre Angleichung stößt naturgemäß bei den Interessenten, die nicht an diesem Markt beteiligt sind, auf Widerstand, "Wir würden es bedauern, wenn es ihnen gelänge, die Ermäßigung des Einfuhrzolles für Malz mehr oder weniger wieder auszuschalten, denn jede Kostensenkung kann der Erhaltung der seit 1952 unverändert gebliebenen Bierpreise nur förderlich sein." So schließt der Vorstand seinen Bericht. ndt