Eine der größten und besten deutschen Tageszeitungen brachte kürzlich in nur drei Petit-Zeilen die Meldung, daß Curt Sachs in New York im Alter von 77 Jahren gestorben sei. Er wurde als „Musikexperte“ bezeichnet, und es wurde ihm kurz bescheinigt, daß er vor 1933 Kurator des Berliner Museums für Musikinstrumente gewesen sei.

Das ist eine Meldung von erschütternder Dürftigkeit – für einen Mann von solcher Bedeutung. Sachs, der Universitätsprofessor und Lehrer an der Musikhochschule seiner Vaterstadt Berlin war, ragte nicht nur auf dem Gebiet der Instrumentenkunde und der vergleichenden Musikwissenschaft hervor. Allein durch ein „Nebenprodukt“ seiner Forschungen hat er sich größte Verdienste erworben. Er hat 1933 das Buch herausgebracht, auf das die Freunde Terpsichores in Deutschland seit Jahrzehnten gewartet hatten und das plötzlich zahllose Werke desselben Gebietes in den Schatten stellte: „Eine Weltgeschichte des Tanzes Dem Buch, das um die Jahreswende 1932/33 ausgeliefert wurde, blieb die entscheidende „Publicity“ versagt: Sachs war Jude. Er emigrierte zunächst nach Paris, dann in die USA.

„Wiedergutmachung“ ist ein strapazierter, ein arg belasteter Begriff – und eine vielfach völlig unlösbare Aufgabe. Daß aber nach der Zeit der absichtsvollen eine Zeit der unabsichtlichen Verkleinerung eines Mannes wie Sachs folgt (siehe Drei-Zeilen-Meldung) – gehört zu den traurigen Kapiteln der Zeitgeschichte. René