Der Börsenbesuch läßt nach Ansicht der Hamburger Kaufmannschaft zu wünschen übrig. Um ihn wieder zu beleben, veranstaltet man "Prominententage", an denen der Gesamtbörsenvorstand in den Börsensälen anzutreffen ist und dort zu Gesprächen zur Verfügung steht. Bei allen sich bietenden Gelegenheiten wird daneben auf die Vorteile des persönlichen Kontaktes hingewiesen. Hier der Auszug aus einer Rede, die Dr. Walter Grimm zu diesem Thema gehalten hat:

"Es wird sicher einmal eine Zeit kommen, wo unseren Ärzten und Gesundheitsaposteln das Breittreten von Lebensmittelzusätzen oder von hartgesottenen tierischen Fetten zu langweilig geworden sein wird. Dann werden sie sich auf etwas anderes werfen, und dann wird der große Kreuzzug gegen das Telephon als eine Geißel der heutigen Menschheit beginnen. Und wenn man in die Zukunft blickt, so bin ich überzeugt, daß unsere Enkel und Urenkel einmal diese Telephonseuche, diese freiwillige Sklaverei, durch die wir uns jede konzentrierte geistige Tätigkeit alle fünf Minuten durch Hinz und Kunz zerhacken lassen, als eine der monströsesten Verirrungen empfinden werden, auf die eine Generation verfallen konnte, viel schlimmer noch, als was wir über unsere Vorfahren vor 200 Jahren denken mit ihren Perücken und ihren entsetzlich umständlichen Etikettvorschriften. Und wenn dann noch unsere Enkel zu hören bekpmmen, daß damals im 20. Jahrhundert in Hamburg sich ein großes, schönes Gebäude befand, das für fast alle Kaufleute durch einen Fußmarsch von fünf bis zehn Minuten erreichbar war, und daß dieses Gebäude drei riesige schöne Räume hatte, die dazu bestimmt waren, daß die Kaufleute sich untereinander friedlich und ruhig besprechen konnten, daß aber diese Kaufleute gar nicht daran dachten, dieses Gebäude zu betreten, sondern es vorzogen, 30mal am Tag zu telephonieren, dann werden sie sagen: "Na, die Hamburger von damals!"