Kampflustige Gewerkschaften – Unternehmer in der Defensive

Von Francesco Kneschaurek

Daß sich die Gewerkschaften in Amerika mit besonderer Vorliebe der Streikwaffe bedienen, ist bekannt. Streiks und Aussperrungen gehören mehr noch als in den meisten europäischen Ländern zu den "Alltagswaffen" der Gewerkschaften im Kampf um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die im letzten Sommer ausgelöste Streikwelle zeichnet sich jedoch – in bezug auf ihre Wirkungen – durch einen besonderen Zug aus:

Der Kompromiß, der letzten Endes nach erfolglosen Verhandlungen und darauf folgendem Streik zwischen den Kampf Parteien geschlossen wird, liegt diesmal nicht – wie gewöhnlich – ungefähr in der Mitte zwischen den aus verhandlungstaktischen Gründen bewußt übersetzten Forderungen der Gewerkschaften und den Zugeständnissen, die die Unternehmer anfänglich zu machen bereit waren...

Klare Sieger

Die Gewerkschaften sind vielmehr, in der Mehrzahl der Fälle, als klare Sieger aus den bisherigen Streiks hervorgegangen; manchmal genügte sogar eine im richtigen Augenblick ausgesprochene Streikdrohung, um die Unternehmer (vor allem der kleinen und mittleren Firmen) gefügig zu machen. Diese Tatsache ist um so erstaunlicher, als die Verhandlungsposition der Gewerkschaften infolge der nach wie vor herrschenden "Unterbeschäftigung" an sich eher schwach wäre.

Daß hier Theorie und Praxis voneinander abweichen, beweist in eindrucksvoller Weise der im Herbst 1958 zwischen dem Ford-Konzern und der Gewerkschaft der Automobilarbeiter neu abgeschlossene Arbeitsvertrag.