Der Deutsche Investment-Trust (der Dresdner Bank AG nahestehend) hat für seinen Concentra-Fonds, bei dem die Rechenschaftsperiode mit dem Kalenderjahr übereinstimmt, die Ausschüttung für 1958 bekanntgegeben. Es werden 7 DM je Anteil verteilt. Bezogen auf den Verkaufspreis von 162 DM (vor der Ausschüttung) läßt sich eine Rendite von 4,5 v.H. errechnen. Sie liegt damit über derjenigen der Spitzenwerte des deutschen Aktienmarktes. Das wurde möglich, weil sich der Fonds entschlossen hat, neben den eigentlichen Erträgen aus Dividenden und Zinseinnahmen (je Anteil 4,71 DM – ist steuerpflichtig) auch noch für 2,29 DM je Anteil realisierte Kursgewinne und veräußerte Bezugsrechte zur Verfügung zu stellen. Damit ist sie dem Wunsch vieler Zertifikatsinhaber nach einer hohen Ausschüttung weitgehend entgegengekommen.

Auf Grund der ihr in den Satzungen gewährten Bewegungsfreiheit hat die Verwaltung des Concentra-Fonds offensichtlich nach einem Kompromiß gesucht, der beide Seiten zufriedenstellen soll. Einmal diejenigen, die möglichst viel bares Geld ausgezahlt haben wollen, und zum anderen alle jene, denen an einer Substanzmehrung gelegen ist. Die letzte Gruppe wird wahrscheinlich die Ausschüttung zum Kauf neuer Zertifikate benutzen. Allerdings wird sie, wenn sie nicht die diversen Freigrenzen in Anspruch nehmen kann, die Erträgnisse aus Dividenden und Zinsen versteuern müssen. Um das zu umgehen, hatte der Deutsche Investment-Trust den "Thesaurus"-Fonds ins Leben gerufen, der satzungsgemäß keinerlei Ausschüttungen vornimmt. Alle Erträge werden hier zur Wiederanlage benutzt. Eine Lücke im Gesetz verhindert die Besteuerung der diesem Fonds zufließenden Dividenden- und Zinseinnahmen. Das hat die Opposition anderer Banken und einiger Bundestagsabgeordneter hervorgerufen, so daß die Fondsverwaltung sich gezwungen sah, den Thesaurus-Fonds zu schließen, d. h. keine neuen Zertifikate mehr auszugeben. Die rückfließenden Zertifikate werden jedoch wieder zum jeweiligen Verkaufspreis zur Verfügung gestellt. Ob die gegen diesen Fonds arbeitenden Kräfte so stark sein werden, eine Gesetzesänderung durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Um keine unnötige Unruhe in Sparerkreisen zu schaffen, wäre es wahrscheinlich vernünftiger, den jetzigen Zustand stillschweigend zu dulden, wobei natürlich Voraussetzung sein muß, den Fonds nicht weiter zu vergrößern und keinen Fonds mit gleichem Charakter ins Leben zu rufen.

Aber zurück zu den Concentra-Zertifikaten. Sie waren im vergangenen Jahr – wie fast alle Anlagen in Aktien – für ihre Besitzer ein gutes Geschäft. Ende Januar 1958 betrug der Ausgabepreis 109,50. Er ist in zwölf Monaten auf 162 DM gestiegen, außerdem gab es im Februar 1958 eine Ausschüttung von 5,75 DM. Sie wurde damals als niedrig empfunden und hat in Kreisen der Zertifikatsbesitzer Kritik ausgelöst. Das scheint auch der Grund dafür zu sein, meine verehrten Leser, warum man in diesem Jahr eine vergleichsweise höhere Ausschüttung gewählt hat. Wer Freude am Rechnen hat, wird feststellen können, daß sich sein in Concentra-Zertifikaten angelegtes Geld seit Ende Januar 1958 – wenigstens theoretisch – um rund 53 v. H. vermehrt hat.

Die Struktur des Fonds, dessen Gesamtvermögen jetzt 293 Mill. DM beträgt, hat sich im letzten Jahr nicht unwesentlich verändert. Das zeigt Ihnen die Tabelle über die Zusammensetzung des Fonds.

Bemerkenswert ist, daß man das Barvermögen Ende des Jahres auf 7,9 v. H. des Gesamtvermögens anwachsen ließ. Nach Auffassung der Verwaltung ist eine Liquiditätsreserve von 5 v. H. als normal anzusehen. Wenn man über diesen Satz hinausgegangen ist, dann läßt das wohl den Schluß zu, daß man gegenwärtig an ein weiteres rasches Ansteigen der Kurse nicht glaubt und sich für günstige Fälle liquide halten will.

Übrigens hat der Fonds im vergangenen Jahr seine Zertifikate ziemlich stetig abgesetzt; nur einmal, nämlich in den kritischen Novembertagen, mußte er Zertifikate zurücknehmen. In der Regel werden die von den Sparern zurückgegebenen Zertifikate aber von den Banken Zug um Zug wieder an neue Sparer abgesetzt, so daß der Fonds von dieser Fluktuation nicht berührt wird.

Da offensichtlich in Sparerkreisen immer noch Unklarheiten über die Handhabung der Rücknahmeprozedur bestehen, gestatten Sie mir bitte, darüber einige aufklärende Worte zu sagen. Beachten Sie aber bitte, daß die nachfolgenden Ausführungen nur Gültigkeit für den Concentra-Fonds haben. Die anderen Investment-Gesellschaften haben eigene Verfahrensweisen entwickelt.