Die Liquidatoren der IG Farbenindustrie AG i. A. haben beschlossen, die Intervention im amerikanischen Interhandelsprozeß nicht weiter zu betreiben. Mit der Intervention, die vor dem Bezirksgericht in Washington lief, sollte der Nachweis geführt werden, daß nicht die schweizerische Interhandel (ehemalige IG-Tochter) Anspruch auf die Rückgabe der von der US-Regierung beschlagnahmten Aktien der General Aniline & Film Corporation (GAF) hat, sondern die IG Farben in Liquidation. Es geht praktisch um die Kernfrage: Gehörten im Zeitpunkt der Beschlagnahme die GAF-Aktien im wirtschaftlichen Sinne zu einem wesentlichen Teil der IG? Die Liquidatoren sind nach wie vor der Meinung, daß diese Frage zu bejahen ist. Im Augenblick fällt es ihnen aber schwer, den Nachweis für ihre Behauptung zu bringen, weil fast das gesamte IG-Aktenmaterial mit dem Einmarsch der Alliierten verlorengegangen ist und außerdem sich Interhandel und das beteiligte schweizerische Bankhaus Sturzenegger weigern, den Liquidatoren die IG-Vorkriegskonten und Korrespondenzen vorzulegen.

In dem Washingtoner Prozeß, der sehr viel Staub aufgewirbelt hat und von dem sich das ängstliche Bundesaußenministerium in Bonn zu distanzieren gemüßigt sah, ging es vorerst einmal um das Recht der IG Farben auf formelle Zulassung in dem Prozeß. Sie ist abgelehnt. Sind aber die Bemühungen der Liquidatoren auch in der Sache erfolglos geblieben? Dabei ist zunächst festzuhalten, daß sie einzig und allein die Interessen ihrer Aktionäre, also der Inhaber dieser IG-Liquidationsanteilscheine zu vertreten haben. Es ist nicht Schuld der Liquidatoren, wenn gewisse Kreise in den USA sofort die Gelegenheit benutzen wollten, den IG-Prozeß zum Anlaß zu nehmen, alle deutschen Ansprüche auf Rückgabe des beschlagnahmten Privatvermögens zu torpedieren. Im übrigen hat die – wenn auch formell – erfolglose Klageerhebung doch gewisse Folgen gehabt, die vielleicht den Einsatz der beträchtlichen, für diese Klage aufzuwendenden Mittel rechtfertigen. Während es nämlich noch vor Monaten so schien, als ob zwischen den USA und Interhandel gewisse Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind, hat jetzt der Vertreter der amerikanischen Regierung im Rahmen des Verfahrens schriftlich versichert, daß die US-Regierung nach wie vor die Auffassung vertritt, daß die GAF-Aktien zum Zeitpunkt der Beschlagnahme keineswegs im wirtschaftlichen Alleinbesitz von Interhandel gewesen sein können. Infolgedessen kann eine Zahlung an Interhandel im Vergleichswege nur einen verhältnismäßig kleinen Teil betreffen.

Mit dieser Erklärung bleibt praktisch alles in der Schwebe. Mehr läßt sich zur Zeit auch nicht erreichen, zumal eine eventuelle gerichtliche Feststellung, daß die IG Farben zum Zeitpunkt der Beschlagnahme der GAF-Aktien wirtschaftliche Eigentümer dieser Papiere waren, ohne praktische Bedeutung bleiben muß, bis sich die USA-Regierung entschließt, das deutsche Privateigentum zurückzuerstatten. Es kommt für die Besitzer der IG Liquis allein darauf an, daß vorher in Sachen "GAF-Aktien" keine endgültigen Entscheidungen getroffen werden. K. W.