Bei der Weitergabe der ersparten Körperschaftssteuer (durch die Herabsetzung des Steuersatzes für Gewinnausschüttungen) an die Aktionäre ist ein bislang kaum beachtetes Problem aufgetaucht. Viele Gesellschaften haben nämlich in den letzten Jahren Vereinbarungen mit ihrer Belegschaft über eine Jahresabschluß- bzw. Weihnachtsvergütung abgeschlossen, wobei die Höhe nach den Dienstjahren, den Verdiensten sowie nach der Dividende festgelegt wurde. Solange die Dividendensteigerungen durch die Produktivitätsverbesserungen bestimmt wurden, an der die Mitarbeiter ihren Anteil hatten, gab es kaum Meinungsverschiedenheiten. Die Produktivität hat aber auf Dividendensteigerungen als Folge der Steuersenkung keinen Einfluß.

Bei der Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler, Frankfurt a. M., haben denn auch Verwaltung und Betriebsräte die richtige Schlußfolgerung gezogen. Dort wurde zwar die Körperschaftssteuersenkung zu einer Erhöhung des Dividendensatzes von 11 auf 14 v. H. benutzt, was ohne eine Erhöhung des für diese Ausschüttung erforderlichen Betrages möglich war, während andererseits die Weihnachtsvergütung weiter auf der Grundlage einer Dividende von 11 v. H. errechnet wurde, weil der Gewinn noch nicht einmal der im Vergleich zu den früheren Jahren bescheidenen Umsatzerhöhung um etwa 5 v. H. gefolgt ist. Die Vereinbarung zeigt, daß bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Verwaltungen auch schwierige Rechtslagen gemeistert werden können. Ein Beharren auf dem formal juristischen Standpunkte hätte sicherlich keine Dividendenerhöhung in diesem Ausmaße gestattet, denn für 1956/57 betrug die Weihnachtsvergütung mit 5,95 Mill. DM (bei 51,0 Mill. DM reinen Löhnen und Gehältern) fast die Hälfte der Dividendensumme von 11,22 Millionen DM. Die Steigerung der Weihnachtsvergütung hätte sicherlich einen erheblichen Teil des zur Dividendenerhöhung notwendigen Betrages von 3,08 Mill. DM in Anspruch genommen. Hier ist ein Weg gewiesen, auf dem andere Gesellschaften, bei denen ähnliche innerbetriebliche Vereinbarungen bestehen, folgen können. Pl.