Der Deutsche Genossenschaftsverband berichtete kürzlich über die Geschäftsentwicklung der 700 Volksbanken der Bundesrepublik im Jahre 1958. Danach ist die Bilanzsumme sämtlicher Institute weiter auf 5,6 Mrd. DM (+ 18,2 v. H.) gestiegen, und zwar durch eine Steigerung der Einlagen auf 4,4 Mrd. DM. Die erfreuliche Zunahme der Spareinlagen um 506 Mill. auf 2,6 Milliarden DM ermöglichte ihnen eine weitere Erhöhung der langfristigen Kredite um 135 auf 585 Mill. DM, das sind 18 v. H. des gesamten Kreditvolumens. Gerade diese Zahl zeigt, wie groß das Interesse der Volksbanken an einer Steigerung der Spareinlagen ist, denn sie sind die Grundlage für das lang- und mittelfristige Kreditgeschäft. Ob diese Tatsache allerdings ausreicht, mit allem Nachdruck eine staatliche Prämie für den Kontensparer zu fordern, wie es kürzlich der Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, Dr. Johann Lang, tat, steht auf einem anderen Blatt. Zumal doch wohl erst erwiesen werden muß, daß der beträchtliche Aufwand, der durch das in Vorbereitung befindliche Sparprämiengesetz dem Staat (und seinen Steuerzahlern) entstehen wird, sich vom Erfolg her rechtfertigen läßt.

Sicher ist es ungerecht, wenn seit dem 1. Januar 1959 das Kontensparen die einzige Sparform ist, die keine staatliche Förderung mehr genießt, während das Versicherungs- und Bausparen die bisherigen steuerlichen Vergünstigungen (über Sonderausgaben oder Bausparprämie) weiter erhält. Aber ist der Abbau staatlicher Subventionspolitik nicht besser als deren Vervollkommnung? Gewöhnen wir uns doch endlich an das Normale. In diesem Falle hieße es, daß der Lohn des Sparens im Zins liegt. Es kann durchaus Zeiten geben, wo man diesem Zins – weil man ihn aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht über Gebühr erhöhen will – eine Prämie beiordnet. Aber das ist gegenwärtig, wie das Sparaufkommen zeigt, nicht notwendig. Darüber hinaus muß bezweifelt werden, ob die langfristige Kreditversorgung des Mittel-, standes tastächlich unter dem Fehlen eines Sparprämiengesetzes leiden wird, wie Dr. Lang ebenfalls behauptete.

Übrigens sieht er auch in der Propagierung der "Volksaktie" eine Gefahr für den mittelständischen Wirtschaftsbereich, weil dadurch Sparkapital in Gesellschaften fließt, die sich auch auf andere Weise Kapital beschaffen könnten. Selbstverständlich kann man darüber streiten, ob der "Normalsparer" sein Geld in Risikopapieren, also in Aktien, anlegen soll oder ob er nicht besser daran täte, die risikolosere Form des Kontensparens beizubehalten. Aber dieses Problem taucht doch nicht erst bei den "Volksaktien" auf. Mit dem gleichen Recht muß man dann auch gegen das Investment-Sparen Bedenken erheben, von dem die Kunden der Volksbanken allerdings (über den Unifonds) in hohem Maße Gebrauch gemacht haben. K. W.