Frankreichs junge Landsknechte lieben deutsche Märsche und preisen die Virilität

Von Armin Mohler

Paris, im Februar

Musik!" ruft jemand nebenan. Es wird still drüben, aber was nun aufklingt, ist keine Musik. Es ist ein eigenartiger Heulton – das Heulen eines Stuka, der seinem Ziel entgegenstürzt. Der Stuka stürzt und stürzt, die Bordwaffen knattern. Einen Augenblick Stille, dann zieht die Maschine heulend wieder aufwärts. Wumm! Wumm! – die Bombe schlägt ein. Und dann: Heilrufe einer tosenden Menge; deutscher Marschtritt, alte Soldatenlieder. Im schönsten Herms-Niel-Stil geht es los: "Stolz marschieren wir zu dreien, geradeaus in langen Reihen ..."

Die Szene: Nicht Berlin, sondern Paris. Das Datum: Nicht 1942, sondern heute, Februar 1959. "Das spielen sie immer, wenn sie zusammenkommen", erklärt mein Freund, der Bildhauer, von dessen Atelier aus ich das Ganze mit anhöre. "Das bringt sie in Stimmung."

Sie: das ist eine Gruppe junger Franzosen, die jetzt nebenan wieder alte deutsche Platten spielt. Wieder Marschtritt, wieder Soldatenlieder: "Immer wenn Soldaten singen, freuen sich die Mägdelein..."

"Verstehen die da drüben denn deutsch?" frage ich meinen Freund. "Kein einziger kann mehr als ein paar Brocken", antwortet er. "Das ist einfach Musik in ihren Ohren."