Colmar, im Februar

Die Schaufenster der Reisebüros sind auf "Ferien in Weiß" dekoriert. Die Alpen werden in allen Variationen präsentiert, der Bayrische Wald, der Harz oder der Schwarzwald. Nur die Vogesen fehlen in dem reichhaltigen Angebot pauschalierter Winterfreuden. Die schneereichen Höhen jenseits des Rheins sucht man vergeblich in den Programmen der Reisegesellschaften. Sports d’hiver dans le massif vosgien – das bleibt den Skitouristen vorbehalten, die mehr für den "Alleingang" sind.

Auf den Aussichtstürmen im Schwarzwald zeigen die Pfeile nach Westen: "Vogesen". Man kann unbesorgt hinüberweisen, denn der Gebirgszug, der sich da drüben auf der anderen Rheinseite erstreckt, ist für den Schwarzwald keine Konkurrenz. Der Blick auf die malerische weiße Bergkette im Westen wird als besondere Attraktion auf das eigene Konto gebucht. Nur wenige sind es, die bei der Betrachtung der Vogesenhöhen auf den Gedanken kommen, einmal hinüberzufahren. Und von denen, die sich zu einem Sprung über den Rhein entschließen, werden nicht alle mit den Vogesen fertig. Die ohne Unfall auf den Brettern blieben, kommen mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder – und im übernächsten Jahr auch, denn sie haben ein Gebirge entdeckt, das mehr ist, als nur ein Skigebiet schlechthin. Sie haben ein Reservat gefunden, in dem "Sport" noch groß und apres-ski immer noch klein geschrieben wird.

Sturmumtobt und kahl sind die "Tausender" Le Bonhomme, Col de la Schlucht, Hohneck, Le Markstein, Grand Ballon oder Ballon d’Alsace. Die gutsitzende Schutzbrille ist hier wichtiger als das modische Mützchen. Beim Anorak zählt die Qualität mehr als das aparte Muster.

Dem Skiläufer wird in den Vogesen etwas abverlangt. Sicher ist das mit ein Grund, warum sie als Wintersportgebiet nicht populär sind und voraussichtlich auch nicht werden. Die Fremdenverkehrsverbände im Elsaß kennen die "Eigenart" des Vogesen-Winters. Man ist ehrlich genug, nicht aus der "harten Sport-Landschaft" durch verführerische Prospekte einen sanften Wintertraum zu machen. Aus Erfahrung weiß man aber auch, daß die Kenner ihre Vogesen Jahr für Jahr wiederfinden.

Die Zahl der Vogesen-Wintersportler ist dennoch gar nicht so klein. Immerhin verkaufen die "Teleski-Bahnhöfe" Markstein und Schlucht während einer Saison 100 000 Fahrten. Schon seit einiger Zeit hat der Skilift die Höhen erobert – so unwirtlich sind die Vogesen auch wieder nicht. Manche dieser Schleppanlagen sind allerdings nur am Wochenende in Betrieb. Einige "Längen": Markstein – 700 Meter, Schlucht – 650 Meter, Grand Ballon – 900 Meter, Gaschney – 900 Meter, Schnepfenried – 600 Meter. Die Preise liegen zwischen 40 und 70 Pfennig.

Die Wintersportzentren der Vogesen liegen zwar in "eisigen Höhen", sind aber deswegen nicht aus der Welt. Regelmäßige Bus-Linien gehen von Straßburg, Colmar und Mühlhausen ab. Die großen Zufahrtstraßen werden schneefrei gehalten. Mit abgefahrenen Reifenprofilen sollte man es aber trotzdem nicht versuchen, denn die Steigungen sind oft recht erheblich. Man achte auch bei der Anfahrt auf Hinweise über Straßensperrungen. (Die Route des cretes, die berühmte Kammstraße, ist während der Wintermonate an vielen Stellen unpassierbar!) Regelmäßiger Busverkehr geht von Straßburg nach Champ du feu – Hohwald (1000 Meter). Für Selbstfahrer: Anfahrten über Schirmeck, Selestat oder Hohwald. Die zwölf Hotels sowie die verschiedenen Heime und Hütten, verfügen über etwa 850 Betten. Im Ort gibt es Skilifte, Sprungschanze und Skischule.