erinnern Sie sich des Mannes in Strindbergs "Traumspiel", der sich einen grünen Fischkasten wünschte, sein Leben lang? Er kriegt ihn schließlich, und der Kasten ist grün – aber das richtige Grün ist es nicht.

Es ist nicht das richtige Grün – nun, da mir endlich der Wunsch erfüllt wird, etwas zu Ihrem sechzigsten Geburtstag sagen zu dürfen. Wie heiter hatte ich mir das ausgemalt, wie bissig, und wie brillant! Ach, Erich, ich bin gar nicht so heiter in diesen Tagen, ich bin in großer Trauer, und da steht es auch mit der Brillanz und der Bissigkeit ein wenig jämmerlich.

Aber kommt es denn darauf an? Sie sind ja gar nicht mehr der Herr, auf den ich schießen wollte. "Halb ein Bürgerschreck und halb ein erschrockener Bürger?" Du lieber Gott. Die Sie damals schreckten, sind heute tot, und ihre Kinder haben Sie nie erschreckt, und die sind die Männer von heute und lieben Sie immer noch. Und Sie – ein erschrockener Bürger? Wer die Rede kennt, die Sie kürzlich in Hamburg hielten, am Gedenktag der Bücherverbrennung, der weiß es anders. Es stimmt nicht mehr, Erich, es stimmt nicht mehr.

Sehen Sie: es gibt eben gar keine sechzigsten Geburtstage. Den Verdacht hatte ich schon bei meinem eigenen, vor anderthalb Jahren. Wo sind sie denn, der Knabe, der dies gefühlt, der Jüngling, der jenes gedacht, der Mann, der diesen Herrn gehaßt und mit jener Dame zu Bette gelegen hat? Ewig, sagte er dabei, auf ewig! Ewig – wie lang? Ich bin eineinhalb Jahre alt seit meinem sechzigsten Geburtstag, ein eineinhalbjähriger alter Mann; und Sie, Erich, waren immer schon heimlich ein Knabe, eine Kästner-Gestalt – und jetzt sind Sie eben ein zehnjähriger Fünfziger.

Daß es dabei bleibe – daß Sie in weiteren sechzig Jahren ein zehnjähriger Einhundertzehner sein mögen –, das wünscht Ihnen

Ihr Freund