J. K. Paris, im Februar

Im Januar, dem ersten Monat nach der Franc-Abwertung, hat sich die französische Warenbilanz verschlechtert, die Zahlungsbilanz dagegen erheblich gebessert. Beide Erscheinungen sind in ihren Ausmaßen anomal und spiegeln zum großen Teil die Korrekturen wider, die als Folge der Franc-Abwertung fast automatisch in Erscheinung treten mußten.

In französischen Francs ausgedrückt, haben sich die Einfuhren aus dem Devisenausland im Januar auf 144 (Dez. 58: 133) Mrd. fr. erhöht, während die Ausfuhren auf 119 (131) Mrd. fr. gesunken sind. Aufschlußreicher sind die Zahlen in Dollar ausgedrückt; Die Einfuhren sind im Januar auf 291 (371) Mill. Dollar, die Ausfuhren auf 241 (312) Mill. Dollar zurückgegangen. Das Defizit hat sich auf 50 (5) Mill. Dollar erhöht.

Die rückläufige Konjunkturentwicklung, die hinreichende Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen und die Verteuerung der Importpreise infolge der Abwertung haben den Importhandel dazu bewogen, vorsichtig zu disponieren. Der starke Rückgang der Ausfuhren scheint mehrere Gründe zu haben: vermehrte Exportanstrengungen im Dezember, Ungewißheit über die Preise in ausländischer Währung infolge der Abwertung und der noch unübersichtlichen inneren Preisentwicklung. Es darf erwartet werden, daß die Exporte in den nächsten Monaten ansteigen werden.

Der Rückfluß französischen Fluchtkapitals und der Zufluß neuer ausländischer Kapitalien hat zwischen dem 1. Januar und dem 10. Februar rund 500 Mill. Dollar erreicht: 400 Mill. im Januar und 100 Mill. in den ersten zehn Tagen des Februar. Das Nachlassen der Kapitaleingänge ist verständlich. Das Kapital hat die in den Vorwochen der Franc-Abwertung ins Auge gefaßten wichtigsten "Positionen bezogen". Es will jetzt die weitere innerfranzösische Entwicklung abwarten. Auch scheint die Pariser Börse in der technischen Erledigung der Börsenaufträge einige Schwierigkeiten gehabt zu haben, so daß ausländische Spekulanten sich wieder vom Pariser Platz abgewendet haben. Die hiesigen Börsenkreise haben die Erfahrung machen müssen, daß sich ein "europäischer Börsenplatz" nicht ohne weiteres improvisieren läßt.

Dagegen ist die Devisenlage Frankreichs gegenwärtig, kurzfristig gesehen, befriedigend. Die Währungsreserven des Stabilisierungsfonds dürften zwischen 550 und 600 Mill Dollar betragen. Frankreich stehen außerdem die Bereitschaftskredite der europäischen Notenbanken und der amerikanischen Privatbanken in Höhe von 450 Mill. Dollar zur Verfügung, macht zusammen reichlich 1 Mrd. Dollar. Außerdem verfügt die Bank von Frankreich über einen Goldschatz von 580 Mill. Dollar. Pinay will in diesem Jahr ohne weitere ausländische Kredite auskommen. Das kann ihm gelingen.