G. Z. Karlsruhe

Mittwoch-Vormittag in Karlsruhe. Großer Bahnhof für Paul Stehlin, General de Corps Aerienne und stellvertretender Oberbefehlshaber der 4. Alliierten Luftflotte. Punkt 10.45 Uhr sperren Landespolizisten in Sonntagsausgeh-Uniform die Autobahnausfahrt Karlsruhe-Durlach, um den Weg freizuhalten für den unauffälligen Mercedes 220, an dessen Stoßstange das rote "Firmenzeichen" mit den vier Sternen prangt.

"Wie geht es Ihnen?" strahlt der Korpsgeneral den Chef des Stabes der Luftwaffengruppe Süd an, den Obersten i. G. Aldinger, der den hohen NATO-Gast mit einer Feldjägereskorte einholte. In Karlsruhes Dragoner-Kaserne aber begrüßt der kommandierende General der Luftwaffengruppe Süd, General Joachim Huth, seinen Vorgesetzten Stehlin mit einer Bundeswehrkapelle. Nur wenige Minuten dauert das magere militärische Schauspiel.

Bestimmt hätte General Huth seinen Gast lieber auf dem Rollfeld eines Flugplatzes vor Düsenjägern in Paradeaufstellung begrüßt als auf dem Kasernenhof einer Nachrichteneinheit. Aber in Baden-Württemberg gibt es nicht eine einzige bundeswehreigene Flugplatzanlage. Und so kennzeichnete schon das Begrüßungszeremoniell das Luftwaffen-Dilemma im Südwesten der Bundesrepublik. Gesprächsstoff gab es also genug für das Mittagessen der Generale im "Erbprinzen" zu Ettlingen ...

Denn die Planer im Huth-Hauptquartier Hotel Reichshof können auf ihren Landkarten so viele Flugplätze projektieren, wie sie wollen – ihre Vorstellungen von einer wirksamen Luftabwehr durch Jäger und Raketen bleibt doch graue Theorie, da sie ohne den Segen der baden-württembergischen Landesregierung keinen einzigen Hektar Boden bekommen.

Die Militärs sind dadurch in die seltsame Zwangslage geraten, daß sie beim Bau der Luftwaffenflugplätze nicht von Zweckmäßigkeitserwägungen ausgehen können, sondern gezwungen sind, ihre Formationen dort zu stationieren, wo gerade Land zu kaufen ist. Um die Landkäufe der Bundeswehr aber ist es so schlecht bestellt, daß es bisher noch nicht für eine einzige Düsenjägerrollbahn gereicht hat...

Über das Gespräch der beiden Generale in Karlsruhe ist offiziell nichts "verlautbart worden". Doch höchstwahrscheinlich haben sie sich hinter verschlossenen Türen den Kopf vor allem über die Stationierung der Luftverteidigungseinheiten zerbrochen. Das Thema liegt in der Luft, seit in Dortmund die Debatten um den Standort der britischen Raketenregimenter heftig im Gange sind. Und wie der Bundesverteidigungsminister in Nordrhein-Westfalen um eine Verständigung mit der Landesregierung bemüht ist, konnte General Huth über seine Verhandlungen mit Stuttgart mit Wiesbaden um die "bestmögliche Interessenabwägung" berichten.