Wer auch immer in der Bundesrepublik heutzutage die Autobahn benutzen muß, für den wird ein Problem immer wichtiger: Wie verhält es sich eigentlich mit dem Rechtsüberholen? Darum halten wir es für gut, hier noch einmal eine ausführliche Rückschau auf einen wichtigen Prozeß zu geben.

G. G., Darmstadt

Ein Urteil, das dieser Tage von der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gefällt wurde, hat großes Aufsehen erregt. Wie kam es zu diesem Urteil?

Angeklagt war der 21jährige Oberprimaner Franz Th. Burlein, nicht vorbestraft, jedoch zweimal in der Verkehrssünderkartei erfaßt, weil er 1. 1957 einen vorfahrtberechtigten Radfahrer angefahren und 2. ein Haltegebotsschild überfahren und dadurch einen vorfahrtberechtigten Pkw-Fahrer behindert hatte.

Die Anklage warf Burlein vor, am 3. Juli 1958 auf der Autobahn Mannheim-Frankfurt durch falsches Überholen den Tod dreier Menschen sowie über 20 000 Mark Sachschaden verursacht zu haben

1955 – als Untersekundaner – war Franz Burlein durch einen Schulfreund zu einem Motorroller gekommen, "wie das eben so ist". Noch bevor er das 18. Lebensjahr vollendet hatte, wurde sein Führerschein von Klasse 4 auf 3 umgeschrieben; er besaß nun einen Kabinenroller, den er bald gegen einen Volkswagen umtauschte. 1956 trat er in einen Motorsportklub ein und nahm mit älteren Freunden an Zuverlässigkeitsfahrten teil. 1957 beteiligte er sich siegreich an der Internationalen Rallye Hanseatic auf dem Nürburgring.

Als kurz nacheinander zwei seiner Freunde tödlich verunglückt waren, wollte er den Motorsport aufgeben. Der Vater, erfreut über diesen Entschluß, willigte – in den Kauf eines 1,6-Liter-Sportwagens ein. Mit diesem Wagen war der Angeklagte am 2. Juli 1958 nach München ins Theater gefahren.