Der Steuerzahler ist an seinem oft beklagten Schicksal "mitschuldig". Die den Steuerpflichtigen aufgebürdete Mitarbeit bei der Eintreibung der Steuern – und insofern also ihre Mittäterschaft an ihrer eigenen Besteuerung und der ihrer Arbeitnehmer – ist in den letzten zehn Jahren erheblich gewachsen. Zu der schon seit langem bestehenden Pflicht zur Ausfüllung und Einreichung der eigenen Steuererklärung sowie der Berechnung, Einbehaltung und Abführung der Lohnsteuer und der Beiträge zur Sozialversicherung für die Arbeitnehmer sind nach 1945 neue Verpflichtungen gekommen. Nicht nur die Einbehaltung der Kirchensteuer und die Durchführung des Lohnsteuerjahresausgleichs ist auf die Lohnbüros der Betriebe zugekommen, sondern auch jene Belastungen, die, wie das leidige Beispiel des Kindergeldes zeigt, durch die neuste Sozialgesetzgebung ausgelöst worden sind. Der Steuerpflichtige ist heute ein billiger Gehilfe des Fiskus, dessen eigener Aufwand deswegen aber nicht sonderlich gesunken ist. Das Steuerzahlen ist ein unentgeltlich auszuführendes Ehrenamt geworden.

Aber das alles kostet Geld; denn wer wollte leugnen, daß diese ehrenamtlichen Verrichtungen im erzwungenen Auftrage des Staates von den meisten Betrieben ohne zusätzliche Aufwendungen ausgeführt werden können? Die Finanzwirtschaftliche Abteilung des Instituts für Mittelstandsforschung (Leitung: Prof. Dr. Schmölders) in Köln hat den vom Steuerzahler leicht vergessenen und vom Fiskus nur ganz selten erwähnten "versteckten öffentlichen Bedarf" in einer Untersuchung unter die Lupe genommen und ist dabei zu recht bemerkenswerten Ergebnissen gekommen. Zunächst bestätigt die Untersuchung, daß von den rund 40 Mrd. DM Bundes- und Ländersteuereinnahmen des Kalenderjahres 1957 rund 32 Mrd. DM, also etwa 80 v. H. aus den Kassen der gewerblichen Wirtschaft stammen. Für diese 80 v. H. der öffentlichen Steuereinnahmen ist also die gewerbliche Wirtschaft Zahl- und Inkassostelle. Von besonderem Interesse für die eifrigen "Mittelstandspolitiker" aller Schattierungen ist, daß die dadurch anfallende Verwaltungsarbeit die kleineren und mittleren, also die Mittelstandsbetriebe in hohem Maße mehr belastet als größere und große Betriebe.

Das Mittelstandsinstitut hat errechnet, daß im Jahre 1957 der "versteckte öffentliche Bedarf" Industrie, Handel und Handwerk im Bundesgebiet rund 1,07 Mrd. DM "kostete", davon entfielen 419 Mill. DM auf die Industrie, 158 Mill DM auf den Handel und rund 500 Mill. DM auf das Handwerk. Von dieser einen Milliarde DM Kosten des "versteckten öffentlichen Bedarfs" mußten aber über eine dreiviertel Milliarde DM vom Handel, Handwerk und von kleineren und mittleren Betrieben bis zu 100 Beschäftigten aufgebracht werden. Die Untersuchung stellt fest, daß die mittelständischen Betriebe in einem wesentlich stärkeren Umfange durch die Hilfsdienste für den Fiskus belastet werden als die Großindustrie, weil der Belastungsfaktor je Beschäftigten bei Betrieben mit geringeren Beschäftigungszahlen höher ist als dort, wo sich die Lasten auf mehr beschäftigte aufteilen.

Bei der längst überfälligen Steuervereinfachung wird auch auf diese Kostenseite des "versteckten öffentlichen Bedarfs" zu achten sein. M. D.