–ge, Bremen

Erschöpft zogen die Richter jetzt nach fünfeinhalb Monaten das Fazit in dem Monstreprozeß des bayrischen Exministers und Gründers der Deutschen Aufbauvereinigung, Alfred Loritz. Die II. Strafkammer des Landgerichts Bremen verurteilte den verhinderten "Erneuerer" Deutschlands in Abwesenheit zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Sein Schuldkonto: Erfolglose Anstiftung zum Meineid in Tateinheit mit erfolgreicher Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage in zwei Fällen, erfolglose Anstiftung zum Meineid in zwei weiteren Fällen sowie "Kettenanstiftung" zu Falschaussagen und zum Meineid.

Mit diesem Urteil, das noch um sechs Monate über den Strafantrag des Staatsanwalts hinausging, wurde allerdings noch nicht der Schlußstrich unter das gezogen, was der 56jährige, aus Bremen geflohene Loritz vom anscheinend sicheren Versteck aus in einem Brief an die Deutsche Presseagentur als "das unerhörteste politische Justizverbrechen" der Nachkriegszeit bezeichnet hat. Er selbst kündigte in diesem Brief bereits an, daß er das Urteil anfechten werde. Der Offizialverteidiger hat denn auch schon erklärt, er wolle Revision einlegen, weil ihm das Strafmaß zu hoch erscheine.

Bleibt es dabei, dann werden in der nächsten Instanz noch einmal alle jene ins Jahr 1955 zurückreichenden Vorgänge zur Sprache kommen, die das Verhandlungsprotokoll – nach der Einvernahme von mehr als 300 Zeugen – schon in der ersten auf sage und schreibe 720 Seiten anschwellen ließ. Darin ist in groben Strichen festgehalten, wie der bayrische Don Quichote, der mit einem bemerkenswerten "Stehvermögen" durch die Nachkriegsgeschichte irrlichterte, von Bremen aus durch allerlei Fälschungen wieder politischen Einfluß zu erlangen gedachte. Es steht darin freilich auch verzeichnet, wie dieses Unternehmen kläglich scheiterte ...

Das Resümee: Loritzens zweiter Ausflug in die große Politik ist endgültig zu Ende. Und sollte auch der 56jährige Rechtsanwalt eines Tages wieder aus seinem Versteck auftauchen – man wird getrost sagen dürfen, er habe seine Zukunft hinter sich.